Sunday, April 13, 2008

Skandal bei DSDS: Der Frauenschwarm ist schwul


Wenn ein Land keine Probleme hat, macht es sich scheinbar welche und das Mitteilungsblatt des deutschen Proletariats hat nun Skandal des Jahres aufgedeckt. Es ist nicht das Beck-Bashing in der SPD, nicht die Haushalts-Disziplinlosigkeit deutscher Bundesminister, nicht das Hickhack um das bayerische Rauchverbot.
Es ist, dass DER Frauenschwarm der ausgerechnet mit einem Mann verheiratet ist. War Guido Westerwelle noch still und heimlich zu Angies Geburtstag mit seinem Lebensgefährten erschienen, muss die Heimstatt des organisierten Empörungswahns nun einige Akten gewälzt haben - dass dies ein Eingriff in dessen Privatsphäre ist, scheint die sonst so auf Diskretion bedachte Journalie wenig zu interessieren. Nicht weniger als vier Journalisten nahmen sich der Geschichte und wenn man da nicht von Sensationsheicherei und Verfolgsjagd, dann fragt man sich schon, was eine solche ist. Das der Sänger weder sein Privatleben verheimlicht noch abfällig über Schwule und Lesben geäußert hat, ist dabei durchaus erwähnenswert. Denn höchstens ein solches Verhalten hätte diesen Aufwand im Ansatz gerechtfertigt.
Das die ganze Sache durch die BILD in eine Kroteske gezogen wird, zeigt jedoch die Bild am Sonntag: Als hätte der eigene Verlag überhaupt nicht das mindeste damit zu tun, empört sie sich über die für den Künstler bedrohliche Situation. Maalouf dürfte nicht nur deshalb jeden Kommentar verweigert haben, sondern auch weil er der nicht ganz unberechtigten Ansicht ist, sein Privatleben ist auch sein solches. Denn dass er nun nicht zum Superstar werden will, weil er schwul ist, sondern singen kann, dürfte seine bisherige Zurückhaltung eindeutig belegen.

Wenig kann man dazu noch sagen, denn auch ein blindes Huhn findet einmal ein Korn. Denn wenn GayWest ansonsten recht darauf bedacht ist, es Bild gleichzutun, findet es diesmal die richtigen Worte. Bleibt nun zu hoffen, dass sich das Proletariat nun auch für die Rechte dieses (und anderer) "verheirateten" Mannes einsetzt. Bisher war davon wenig zu spüren.

Saturday, April 12, 2008

Nato's Familienprobleme


Wenn sich die Amtszeit eines U.S.-Präsidenten dem Ende nähert, gehen regelmässig zwei Entwicklung mit diesem Niedergang einher: Der Amtsinhaber wird zur lame duck, da sich bereits alle in Politik, Medien und Gesellschaft auf den kommenden Präsidenten (oder die kommende Präsidentin) konzentrieren. Und der Amtsinhaber ist darum bemüht, seinen Platz in den Geschichtsbüchern zu finden.
Bei George W. Bush ist die Situation wieder einmal eine besondere: er hat keinen natürlichen Nachfolger, da sich weder er selbst noch sein Vizepräsident zur Wiederwahl stellt. Der Nachfolger steht daher noch offen, Bush jun. ist jedoch bereits seit längerem zur lame duck geworden. Und Bush jun. ist besitzt sowohl im eigenen Land wie global Unbeliebtheitswerte, wie sie bisher einmalig sein dürften. Gerade deshalb ist er bemüht, sein Geschichtsbild so aufzupolieren, dass er nicht als Kriegspräsident eines verlorenen Krieges in die Geschichtsbücher eingeht.

Osteuropa und die Neumitglieder
Auf dem NATO-Gipfel in Bucarest hat er wohl auch deshalb noch einmal versucht, ein Zeichen zu setzen: Raktenpläne und Osterweiterung. War die Aufnahme von Albanien und Kroatien reine Formsache, zeichnete sich im Mazedonien-Konflikt Streit mit Griechenland ab. Die USA wollten - oder konnten - sich hier nicht wirklich eindeutig positionieren und wie andere Mitgliedsstaaten versuchten sie im Hintergrund in dem teils bizarren Namensstreit vermitteln.
Interessanter wurde die Sache jedoch bei den beiden Neuaspiranten Ukraine und Georgien. Beide Länder sind bis heute geprägt von tiefen inneren Konflikten, die sich massiv auf die Stabilität des politischen Systems insgesamt auswirken. Die Ukraine ist geprägt von einem - derzeit friedlichen - Gegensatz zwischen den ethnischen Russen im Osten und den ethnischen Ukrainern im Westen des Landes. Die fast namensgleichen Juschtschenko und Janukowitsch haben sich noch vor wenigen Jahren einen erbitterten Präsidentschaftswahlkampf geliefert, die gernau an diesen ethnischen Linien entlang lief. Und bis heute sind die Konflikte nicht gelöst, sondern eher übertünscht.
Während in der Ukraine die Auseinandersetzung noch mit friedlichen Mitteln stattfindet, sind die Verhältnisse im kaukasischen Georgien noch komplizierter. Abchasien und Süd-Ossetien haben sich faktisch von Georgien abgespalten und ein eigenes politisches System entwickelt. Tiflis will dies nicht akzeptieren und wird hier von der internationalen Gemeinschaft - mit Ausnahme Russlands - auch unterstützt. Zwar sind die Konflikte derzeit "erkaltet". Aber niemand kann und will eine Garantie dafür abgeben, dass diese Konflikte rasch wieder aufleben. Nicht umsonst galt bisher der eherne Grundsatz, Länder mit ungelösten Territorialkonflikten nicht aufzunehmen.
Bush jun. hat dies nur wenig interessiert, obwohl die Nichtaufnahme gar nicht auf einem Konflikt mit dem gegen die Aufnahme protestierenden Russland in Zusammenhang zu bringen ist. Russland hat auch gegen die Aufnahme der baltischen Staaten und Osteuropas insgesamt in die NATO-Strukturen immer wieder Protest angemeldet und sich schließlich doch damit abgefunden, dass das Bündnis vor seiner "Haustür" einzieht. Die Kreml-Herren Wladimir Putin und Dimitri Medwedew hätten auch diese Kröte geschluckt, da sie gemerkt haben, dass kein (militärischer) Gegner hier Platz nimmt, sondern ein Partner, mit dem man im NATO-Russland-Rat auf das engste verbunden ist - und bei dem Russland faktisch sogar Mitglied ist.
Es waren die Sachzusammenhänge, die Angela Merkel und die europäischen Partner davon abhielten, sich schnell ins warme umschlagenden Konflikt ins eigene Haus zu holen. Rasch könnte sich der Bündnisfall realisieren, wenn auch nur ein russischer Soldat im Kampf um Abchasien und Süd-Ossetien, aber eben auch um das Militärrecht auf der Krim den Fuss auf dann NATO-Boden setzen würde. Natürlich würde dann über UN- und OSZE-Prozesse eine Beistandsverpflichtung erwachsen, die Qualität wäre jedoch eine andere. Aber es stünden sich nicht automatisch NATO- und russische Truppen gegenüber, der Konflikt könnte auch anders ausgetragen werden.


Afghanistan im Bündnisfall
Anders als im Iraq ist der ISAF-Einsatz ein NATO-Einsatz und gleicht hier dem im Kosovo in vielen Punkten sehr stark. Bereits im Vorfeld wurde seitens der USA an die Deutschen die Erwartung gerichtet, dass sie sich stärker auch im Süden engagieren - quasi in der heißen Kampfzone des battlefield. Die Empörung von links bis rechts des Plenarsaals im Berliner Reichstag war ebenso zu erwarten wie sie falsch ist, geben sie doch dem alten Sprichwort - "Die Bundeswehr ist dazu da, den Feind an der Grenze so lange aufzuhalten, bis richtiges Militär kommt." - ein um das andere Mal Recht. Sicher, zwischenzeitlich ist auch die Nordzone keine Gegend für Rucksacktouristen mehr, haben doch auch hier die Taliban zwischenzeitlich ihr zwar erschwerlicheres, aber dennoch genügsames Auskommen.
Dennoch scheint die Zurückweisung eben gerade nicht vor dem Hintergrund, denkt man nur an die Debatte der Grünen in bester Pazifisten-Tradition, die sich weigerten, die Bilder der Luftaufklärung des USA und anderen Verbündeten zur Verfügung zu stellen. Es ist noch immer nicht in den Köpfen der deutschen Politik angekommen, dass man nicht einerseits einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat (was wiederum inhaltlich falsch ist) fordern und sich andererseits in die gemütliche Stube zurückziehen kann, während andere vor der Türe bei Schneesturm für ein einigermaßen geräumten Gehweg sorgen. Die Bundeswehr ist nur noch auf dem Papier eine Verteidigungsarmee, in der Realität jedoch eine Kampfgruppe, die weltweit im Einsatz ist. Nicht zu Eroberungszwecken, sondern im Auftrag der United Nations zum Schutz und Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit. Dies bedeutet auch, dass man in Kämpfe verwickelt wird und dies bedeutet tragischer Weise auch, dass man die Bevölkerung auf Verluste vorbereiten muss.
Es bedeutet aber vor allem, dass die Bundeswehr besser ausgerüstet und ausgebildet werden muss. Dies ist keine pure Frage der Politik, sondern dient gerade auch dem Schutz der Soldaten, die das Vaterland in den Einsatz schickt - zur Verteidigung Deutschlands am Hindukusch. Erst wenn eine große Nation wie Deutschland sie sein will bereit ist, ihre Verantwortung in vollem Umfang zu übernehmen, wird es hier gestattet sein, auch in der Sicherheitspolitik in der ersten Reihe mitzudiskutieren. Zu Recht verbitten sich derzeit noch die USA, Grossbritannien und Frankreich die eine oder andere Belehrung der Berliner Oberlehrerschaft.

Deutsche Reflexe
Bände spricht der Kommentar von Rolf-Dieter Kraus in den tagesthemen vom 2. April 2008 zum NATO-Gipfel, wie die deutschen Befindlichkeiten und reflexartigen Verhalten.
Ein Staatenbündnis wie die NATO braucht Gemeinsamkeiten. Gemeinsame Überzeugungen, eine mindestens ähnliche Art mit Problemen umzugehen, auch Rücksicht und Verständnis für einander. Erst das schafft den Zusammenhalt, ohne den kein Bündnis funktionieren kann.
So gesehen sind jetzt in Bukarest einige Leute dabei, die sich in den vergangenen Jahren nach Kräften bemüht haben, die NATO zu schädigen. Wie etwa, befeuert von Washington, die NATO-Truppen in Afghanistan in deutsche Kuchenesser und tapfere angelsächsische Kämpfer unterteilt wurden, das war in der Sache falsch, in der Form unanständig. Es war aber vor allem dumm, weil dieses öffentliche Vorführen von Partnern am Zusammenhalt der Partner nagt.
Ähnliches hätte auch die Ausdehnung der NATO nach Osten bewirkt. Nehmen wir einmal Georgien. Wenn dessen Gebietskonflikte wieder aufflammen, dann stehen auf der anderen Seite sehr schnell russische Truppen. Würde irgendjemand in der NATO-Soldaten gegen russische Truppen stellen, um Südossetien oder Abchasien zu retten? Wohl nicht. Aber das Vertrauen in den beistand der Partner wäre ein für alle Mal zerstört.
Muss man die NATO in eine solche Lage bringen?
George Bush hat all das betrieben. Aber er hat mit der ihm eigenen strategischen Brillanz genug Katastrophen angerichtet. Weil einige Europäer, leider nicht alle, dagegen halten, wird es in Bukarest gelingen, die NATO nicht weiter zu schwächen. Um ihre Stärkung geht es erst im nächsten Jahr. Um eine neue Strategie, einen neuen Zusammenhalt und mit einem neuen Präsidenten. Schwer genug wird auch das.

Der Kommentar trieft nur so von Reflexen, die das Thema zwar ansprechen, an der Sache aber meilenweit vorbeigehen. Es ist letztlich ein Ammenmärchen, dass die Regierung Bush jun. nur auf die Geschichtsbücher schaut, sondern einen Masterplan im Rücken hat, wie dies nur selten der Fall war.
In der Tat und zu Recht trifft es auf nur wenig Verständnis, wenn Deutschland im immer noch recht sicheren Norden Afghanistans verbleibt und die Schmutzarbeit anderen überlässt. Und sich dann noch dazu beschwert über die Art, wie diese Arbeit erledigt wird. Sicher sind hier Seitens der USA und Grossbritanniens Fehler gemacht worden, Deutschland hat sich jedoch immer geweigert, seine Soldaten in den Kampf gegen die Taliban einzusetzen - obwohl das Ziel der Bekämpfung als richtig erachtet wurde.
Die deutsche Regierung hat zwar zu Recht sich gegen den Beitritt der beiden Staaten des früheren sowjetischen Machtbereiches gewannt. Aber eben nicht als Cotou vor Moskau, sondern aus sachpolitischen Erwägungen. Andererseits haben die USA ebenso mit einiger Berechtigung die Sicherheitsinteressen Georgiens und der Ukraine auf den Tisch gebracht, die viel zu sehr in der Diskussion der vergangenen Jahre untergegangen sind. Die "lupenreine Demokratie" á la Moskauer Geschmackswelt ist längst wieder zur autokratischen Großmachtgehabe übergegangen und genau dieses gilt zurück zu weisen. Merkel wie Bush jun. haben hier Schröders Geschwätz geerbt und auch das Augenschließen der Europäer (und der USA) vor den Versuchen der Einmischung Russlands in die inneren Angelegenheiten beider Länder. Russland hat damit auch seinen entscheidenden Beitrag zur Destabilisierung geleistet, der die nun verdeutlichte Beitrittsperspektive zumindest im Ansatz entgegen tritt. Moskau mag brüllen, Moskau wird sich wieder beruhigen. Bukarest hat jedoch das Bündnis mehr geeint und gelenkt, als es der ARD-Kommentator wahrhaben will.

Tuesday, April 08, 2008

Satz der Woche: Was richtig ist, ist die Mehrheit


Der Satz der Woche kommt diese Woche von der hessischen grünen hochschulpolitischen Sprecherin, Sarah Sorge. In der Debatte um die Abschaffung der durch die CDU-Regierung eingeführten Studiengebühren an Hessens Hochschulen machte die FDP den Vorschlag, dass die Hochschulen selbst über die Erhebung von Studiengebühren entscheiden können. Alternativ solle das (neue) Hamburger Modell nachgelagerter Studiengebühren zur Geltung gebracht werden.
Grüne, SPD und Linkspartei proben an dieser Stelle schon einmal die Koalition, die in der Realität gescheitert ist und bringen alte linke Träume der Umsonst-Bildung aufs Tablett.

Man will schon einmal die Koalitionsträume leben und deshalb wurde über den Vorschlag der FDP inhaltlich gar nicht debattiert. Die Logik ist dabei einleuchtend:

„Die FDP hat keine Mehrheit für ihre Position, wir schon.“

So stellt man sich sachorientierte Politik vor.

Thursday, April 03, 2008

Deal collapses - Airlines collapses


Nach der Pleite der U.S.-Fluggesellschaft PanAm 1991 dürfte die italienische Staatslinie AlItalia der nächste Konkurs einer großen Fluggesellschaft mit langer Unternehmensgeschichte werden. Seit mehr als einem Jahr suchte die italienische Regierung einen Investor. Sowohl eine italienische Lösung war gescheitert wie auch die meisten ausländischen Partner waren abgesprungen. Nach die Deutsche Lufthansa abgewunken hatte, war Air France / KLM der letzte Investor gewesen, der übrigen geblieben war.

Aber auch Air France / KLM machte immer deutlich, dass AlItalia nicht in der bisherigen Form erhalten bleiben würde können. Arbeitsplatzabbau und Streckenprüfungen waren unvermeidlich, ebenso wie die Auflösung eines der beiden AlItalia-Drehkreuze Rom und Mailand. Die in dem Unternehmen innewohnenden Ineffizienzen bereiten dem Unternehmen tägliche Verluste von rund einer Million Euro und machen damit deutlich, dass ein rentabler Betrieb in der gegenwärtigen Form nicht möglich ist.
Nicht nur die Gewerkschaften machten gegen die Sparpläne Front und forderten zuletzte, die Flotte schneller zu modernisieren und die Bodenverkehrsdienste AZ Servizi vollständig zu übernehmen. Auch die italienische Opposition um Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi sperrten sich gegen den Verkauf des Nationalsymbols einer eigenen Fluglinie. Zwar waren italienische Rettungsversuche - wie über die kleine Fluggesellschaft Air One - gescheitert. Wirklich interessiert hatte dies jedoch nicht und Berlusconis eigener Konzern musste eine Auffanglösung zimmern.
Dabei wurde vollkommen vergessen, dass AlItalia das wichtigste fehlte: Partner im internationalen Bereich. Keine Fluggesellschaft kommt heute mehr ohne starken Partner - oder wie bei den Golf-Airlines den Staat als Garanten - mehr aus. Die Schweizer SWISS ist unter das Dach der StarAlliance geschlüpft, Spaniens Iberia ebenso wie die chilensische LAN bei One World und auch die aufstrebenden asiatischen Airlines sind zwischenzeitlich feste Partner einer der drei großen Networks. Selbst die großen Player British Airways, Lufthansa, Singapore Airlines und eben Air France / KLM kommen ohne nicht mehr aus.
AlItalia ist zwar formal Mitglied des SkyTeam. Eine wirkliche Integration hat jedoch nicht stattgefunden, was vor allem den wirtschaftlichen Verhältnissen geschuldet war. Die Linie versank zunehmend mehr im Chaos im Streit zwischen Politik, Gewerkschaften und Finanziers. Und konnte deshalb eine Sanierung, die andere (europäische) Airlines bereits vor Jahren vorgenommen hatten, nicht wirklich angehen. Nun wird dieser Streit wohl dafür sorgen, dass AlItalia endgültig vom Himmel verschwindet - das Drama um das Ende einer nationalen Fluglinie war bereits 2001 in der Schweiz zu beobachten.

Air France / KLM-Chef Spinetta kommentierte das Ende von AlItalia mit den Worten:
"Ich nehme mit Bedauern das Scheitern der Verhandlungen zur Kenntnis, das nicht von uns abhängt. Es ist ein Projekt, an das ich fest geglaubt habe und an das ich weiterhin glaube, weil es Alitalia erlaubt hätte, schnell den Weg zu einem gewinnbringenden Wachstum wieder zu finden."
(Handelsblatt 3.3.2008)
Es ist erstaunlich, woher dabei die Hoffnungen des italienischen Gewerkschaftsbosses
Luigi Angletti kommen, dass sich Air France / KLM nicht von ihren Übernahmeplänen verabschiedet hätten. Der französisch-niederländische Luftfahrtkonzern wurde von Gewerkschaften, Mailänder Flughafen und der Opposition vor den Kopf gestoßen, obwohl er für seine eigene Entwicklung die marode Staatslinie nicht wirklich benötigt. Spinetta hat über Monate verhandelt und auch andere Investoren sind vor dem Chaos der Italiener rasch davon gelaufen. Es gibt schlicht keinen vernünftigen Grund, noch einmal an den Verhandlungstisch zurückzukehren - für Spinetta wohlgemerkt.
Nun ist es an Italien zu entscheiden: die staatliche Notverwaltung ohne Aussicht auf ein langfristiges Überleben oder man zaubert die bisher unbekannten Italiener aus dem Hut, die Berlusconi neben seinen Kindern angekündigt hat. Letzteres ist jedoch nicht in Sicht und Berlusconi ist in der Frage auf Tauchstation gegangen.
Wer also noch Meilen hat, wird gezwungen sein, diese so schnell wie möglich einzulösen, vielleicht ein letzter Run auf die weiss-grünen Maschinen. Nach dem Grounding sind sie Teil der Konkursmasse.

Tuesday, April 01, 2008

Open Sky and lost fund


Wer in diesen Tagen das Wort Heathrow hört, denkt eher an fehlende Koffer, Chaos bei der Abfertigung und gestrichene Flüge von British Airways. Seit gestern verbindet sich jedoch auch ein anderes Wort mit dem größten europäischen Flughafen, der weltweit die meisten internationalen Flüge abfertigt: open sky. Als sich im vergangenen Jahr USA und EU auf darauf einigten, den Himmel zu öffnen, waren damit ursprünglich grosse Pläne verbunden: europäische und U.S.-amerikanische Fluggesellschaften können von jedem Punkt in Europa zu jedem Punkt in den USA starten. Damit sollte der transatlantische Flugverkehr aufgebrochen werden - am stärksten eben in Heathrow, welches bislang nur Slots an vier Airlines vergeben durfte.
Mit dem Abkommen verbinden beiden Seiten die Hoffnung, dass diesseits und jenseits des Atlantiks in den kommenden Jahren insgesamt 80.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Die Zahl der Transatlantikpassagiere könnte um 34 Prozent oder 26 Millionen Menschen steigen, rechnete die Kommission vor. Durch den Wegfall der zwischenstaatlichen Abkommen und ihrer Beschränkung der Verkehrsrechte könnten bis zu zwölf Milliarden Euro Kosten in den kommenden fünf Jahren eingespart werden.

Air France / KLM war die erste Fluggesellschaft, die die neuen Möglichkeiten genutzt hat und ab Heathrow in die USA abhebt. Air France / KLM nutzt diese Möglichkeit jedoch mit ihren U.S.-Partnern Delta und Northwest. Was jedoch den Airlines fehlt an dieser Stelle ist ein europäischer Zubringerdienst, den beide Gesellschaften bisher nur für Paris und Amsterdam anbieten konnten. Auch fehlt ihnen ein britischer Partner - BritishAirways wird diesen nicht anbieten und BMI ist mit Lufthansa verbunden -, der eine solche Funktion wahrnehmen könnte. Passagiere können daher nur aus dem Großraum London in die USA starten, wollen sie ihre Anreise nicht selbst über Drittgesellschaften mit einem notwendigen längeren Umsteige-Zeitfenster planen.
Lufthansa hat daher bereits früh verdeutlicht, dass es nach München, Frankfurt/Main und Zürich kein weiteres Drehkreuz geben wird. Weder werde es LH-Flüge von London noch von Mailand in die USA geben. Die Skepsis ist durchaus berechtigt, da ein Flieger nicht nur entsprechende Start- und Landesrechte benötigt, sondern auch die Infrastruktur. Lufthansa wäre gezwungen, Flugzeuge direkt in Heathrow zu stationieren, Crew- und Technikpersonal vor Ort zu recrutieren und Servicebereiche zu etablieren. Die ersten beiden Erforderlichkeiten könnten nur entfallen, wenn Multi-Stopp-Umläufe geschaffen würden und damit die bisherige Regelung, ein Langstreckenflieger startet in München, fliegt nach Los Angeles und kehrt unmittelbar nach München zurück entflechtet würde. Aber auch dann wären entsprechende Zubringer erforderlich, die bisher nur eben für die jetzigen Drehkreuze bestehen und auch dort nicht nur Langstreckenmaschinen in die USA bedienen, sondern fest in das Hub-System integriert sind.

Das ein fehlendes Zubrin
gersystem ein grosses Mango darstellt, zeigen die Überlegungen von Virgin Atlantic. Lange Zeit waren sie selbstständig und eine von vier Fluggesellschaften mit dem Privileg des Bermuda-II-Abkommens ausgestattet, Flüge zwischen Heathrow und den USA anzubieten. Nun will man sich mit dem StarAlliance-Mitglied bmi zusammentun und das eigene Netz stärken. Eine Partnerschaft zum Nutzen der StarAlliance insgesamt, würde doch mit der VirginGroup neben Virgin Atlantik auch die Gesellschaften Virgin Blue in Australien und Virgin Nigeria in Westafrika zustossen und das Streckennetz ausdehen. Die Folgewirkungen des OpenSky-Abkommens würden damit weit über den transatlantischen Verkehr hinausreichen.

Derzeit stehen aber noch die Befürchtungen europäischer Airlines im Raum, Open Sky würde vor allem den U.S.-Airlines nutzen. Diese Befürchtungen sind jedoch ebenso falsch wie richtig. Richtig ist, dass mit Ausnahme von Air France / KLM keine andere europäische Gesellschaft angekündigt hat, Transatlantik-Verbindungen von anderen Standorten anzubieten als den bisherigen und vor allem das Bermuda-II-Abkommen für London-Heathrow mit dem Monopol für American, United, British Airways und VirginAtlantic aufgebrochen wurde. Heathrow wird in Zukunft von mehr U.S.-Airlines und von mehr Orten angeflogen werden. Und: U.S.-Gesellschaften können innereuropäische Flüge anbieten, was europäischen Airlines in den USA bislang nicht möglich ist.
Falsch ist jedoch das Argument, da U.S.-Gesellschaften bereits in der Vergangenheit Flüge nicht nur nach Heathrow, sondern auch nach Paris, Frankfurt/Main, Rom und München angeboten haben und sich hieran auch nichts ändern wird. Und dass nunmehr in großer Zahl Zubringerflüge von U.S.-Gesellschaften von Heathrow in alle anderen europäischen Städte angeboten werden, dürfte aus dem gleichen Grund unwahrscheinlich sein wie dem, warum Lufthansa keine Transatlantikflüge ab London anbieten will.
Und auch das Domestic-Monopol für Flüge innerhalb der USA wussten europäische Airlines bislang bestens zu umgehen: Air France / KLM beteiligte sich an Northwest und Lufthansa ist erst im vergangenen Jahr bei der U.S.-Fluggesellschaft Blue eingestiegen.
Chancen bestehen daher vor allem für den Verbraucher mit der Auswahl an neuen Verbindungen, einem größeren Angebot und damit auch niedrigeren Flugpreisen.

Hintergrund:

Monday, March 31, 2008

Wahlkalender 14/2008


Ausblick
  • 6.4.2008: Montenegro| Presidential Election

Rückblick
  • 24.3.2008: Bhutan| Parliamentary Election
    THIMPHU: Erstmals wird im kleinen Himalaya-Staat Bhutan ein Parlament gewählt und damit die Zeit der absoluten Monarchie in der strategisch wichtigen Land zwischen Indien und China beendet werden. Politische Unterschiede zwischen den zur Wahl stehenden Parteien, der Volksdemokratischen Partei und der Bhutanischen Partei für Frieden und Wohlstand, gibt es kaum. Beide gelten als Anhänger des Königshauses. Der alte König, Jigme Singye Wangchuk, hatte die Abstimmung angeordnet, bevor er die Regierungsgeschäfte an seinen Sohn übergab, Kronprinz Jigme Khesar Namgyel. Wahlberechtigt sind in dem buddhistisch geprägten Land, das jahrhundertelang weitgehend vom Rest der Welt abgeschottet war, rund 318.000 Bürger.
  • 29.3.2008: Zimbabwe | Presidential and Parliamentary Elections
    Ergebnis nicht vorliegend

Monday, March 24, 2008

Wahlkalender 13/2008


Ausblick
  • 24.3.2008: Bhutan| Parliamentary Election
  • 29.3.2008: Zimbabwe | Presidential and Parliamentary Elections

Rückblick
  • 21.3.2008: Taiwan| Presidential Election and Referendum
    Der chinafreundliche Oppositionskandidat Ma Ying Jeou hat die Präsidentenwahl in Taiwan mit deutlichem Vorsprung für sich entschieden. Eine seiner wichtigsten Wahlkampfbotschaften war der angestrebte Ausbau der Beziehungen mit der Regierung in Peking. Nach vorläufigen Ergebnissen der Wahlkommission entfielen auf Ma 58 Prozent der Stimmen. weiter

Monday, March 17, 2008

Persische Scheinträume


Der Iran hat wieder einmal ein neues Parlament gewählt und in einer Region, die nur in wenigen Ländern Parteien und Wahlen überhaupt kennt, ist dies nicht zu verachten. Dennoch darf die Frage gestellt werden, wie das Ergebnis bewertet werden muss. Vor dem Hintergrund des Ausschlusses der eher westlich orientierten Kandidaten kann nicht von einer freien und fairen Wahl gesprochen werden. Die Theokratie des Gottesstaates Iran hat einmal mehr gesiegt, so müsste das eigentliche Ergebnis lauten.

Daran ist grundsätzlich nichts verwerfliches, wenn dies von der Bevölkerung des Irans auch tatsächlich will. Der Iran ist so zwar formal eine Demokratie. Der Ausschluss von Kandidaten durch den nicht legitimierten Klerus des Landes spricht jedoch dafür, dass der Iran noch weit von einer modernen Demokratie entfernt ist. Nicht das Volk in Gestalt seiner Vertreter, sondern die Revolutionsführernachfolger hat das eigentliche Sagen.
Der Wächterrat sichert damit jedoch einem Mann die Macht, der den Rückhalt im Volk längst verloren hat. Als Achmedinaschad 2005 als Nachfolger des reformorientierten Mohammed Chatami in das höchste weltliche Staatsamt gewählt wurde, waren ihm von den Massen noch viele Vorschusslorbeeren entgegen gebracht worden. Arbeitsplätze wollte er schaffen und den allgemeinen Wohlstand deutlich erhöhen. Nur wenig ist davon übrig geblieben, was auch mit den Ausfällen des Präsidenten insbesondere gegenüber Israel in Zusammenhang zu bringen ist.
Dabei bedingt das Eine das Andere quasi zwangsläufig. Je weniger die Mehreinnahmen der iranischen Ölwirtschaft beim Volk ankommen, je stärker werden die Ausfälle des schwachen Mannes am Elburs-Gebirge. Je stärker Achmedineschad aber gegen Israel polemisiert und aktiv terroristische Kreise wie die Hizbollah im Libanon unterstützt, je weniger sind westliche Geldgeber bereit, im Iran zu investieren. Investitionen in das Land werden schlicht zum Imagerisiko, noch dazu, wo die USA ihre Sanktionszügel immer stärker anziehen und Unternehmen auch dann bestrafen, wenn sie eigentlich nicht der U.S.-Jurisdikation unterliegen.

Gleichzeitig hat der Atomkurs die Fronten weiter verschärft. Dabei haben sicher auch die westlichen Regierung in panischer Angst Fehler gemacht und dem Iran quasi jedes Recht auf Forschung im Atombereich abgesprochen. Das das Teheraner Regime dies bereits aus purem Selbstverständnis heraus nicht akzeptieren konnte, ist verständlich.
Gleichzeitig hat es jedoch auch die Bereitschaft vermissen lassen, die IAEA ins Land zu lassen und ihr in aller Offenheit das zu präsentieren, dass zuletzt auch der NIE der U.S.-Geheimdienste präsentiert hatte. Mutwillig haben die Mullahs und Achmedineschad Vertrauen verspielt, wo hätte der Aufbau für das Land von Vorteil sein können.

Dabei könnte das Land in der Region eine bedeutende Rolle spielen als die Brücke zwischen dem Abendland, dem Morgenland und dem südasiatischen Raum. Dabei ist sicher zu berücksichtigen, dass es mit Saudi-Arabien um Einfluss in der Region sucht und als schiitische (Gottes-) Staat in der islamischen Welt bisher kein sonderlich hohes Ansehen genießt. Aber: Es besitzt Einfluss von Libanon über Syrien bis Afghanistan und tief in den Iraq hinein. Alles Länder, mit denen auch die Sunniten ihre Mühe haben und es auch aufgrund ihrer demonstrativen Nahferne nicht schaffen, Anerkennung zu finden. Der Iran ist mit der Revolution von 1979 zum Paradestaat anti-westlichen Denkens geworden und findet daher genau dort bereiten Anklang, wo dies zunehmend eine Rolle spielt: im Volk der islamischen Welt.
Die Regierung und der schiitische Klerus wären daher der Partner ohne Vergleich, den Saudi-Arabien als direkter regionaler Konkurrent findet in seiner eigenen Bevölkerung zwischenzeitlich nur schwer Rückhalt. Ein anderer Präsident und ein mehr an Demokratie könnten deshalb das Land voranbringen: ohne verbale Ausfälle, ohne die Unterstützung von Terrororganisationen und Aufstandsbewegungen würden Investitionen fließen können und damit der Wohlstand der alten persischen Kultur auch dort ankommen, wo Achmedineschad vorgibt zu vertreten: das gemeine Volk.

Hintergrundinformationen

Wahlkalender 12/2008


Ausblick
  • 21.3.2008: Taiwan| Presidential Election and Referendum

Rückblick
  • 4.3.2008: Lebanon| Presidential Election
    - verschoben
  • 11.3.2008: USA | Primary in Mississippi
    WASHINGTON: Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten hat Barack Obama einen weiteren Sieg eingefahren. Im Bundesstaat Mississippi setzte er sich nach jüngstem Auszählungsstand mit fast 60 Prozent gegenüber seiner Konkurrentin Hillary Clinton durch. Die nächsten Vorwahlen um die Präsidentschaftskandidatur finden in sechs Wochen in Pennsylvania statt. Clinton hofft dort auf einen Sieg. Inzwischen ist aber fraglich, ob bei den Demokraten eine Entscheidung über den Präsidentschaftskandidaten in den Vorwahlen fällt. Möglicherweise werden 800 sogenannte Superdelegierte das letzte Wort haben.
  • 14.3.2008: Iran | Parliamentary Election
    TEHERAN: Im Iran haben die Bürger ein neues Parlament gewählt. Es gilt als sicher, dass das konservative Lager um Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad seine Mehrheit behaupten kann. Der von der religiösen Führung des Landes eingesetzte Wächterrat hatte viele reformorientierte Bewerber nicht zur Wahl zugelassen. Nach Angaben des Innenministeriums in Teheran war die Wahlbeteiligung höher als vor vier Jahren. Erste Ergebnisse sollen frühestens am Samstag vorliegen.
    -> Verlängerte Farce in Teheran (DW World 14.3.200)

Saturday, March 15, 2008

Satz der Woche: Der Konkurs


"Wenn das Angebot vom Gesichtspunkt der Beschäftigung aus unzureichend ist, ist der Konkurs der bessere Ausweg."

Diese ehrenwerte Ansicht nach dem Vorbild der japanischen Harakiri stammt von Fabrizio Solari, Chef der Gewerkschaft Filt-Cgil. Hintergrund ist die geplante Übernahme er italienischen Fluggesellschaft AlItalia durch AirFrance/KLM, bei der AirFrance/KLM mit einem Stellenabbau zur Sanierung der unprofitablen italienischen Staatsairline droht. Diese fliegt seit Januar 2008 jeden Tag nunmehr einen Verlust von drei Millionen € ein.

Sunday, March 09, 2008

Wahlkalender 11/2008


Ausblick
  • 4.3.2008: Lebanon| Presidential Election
  • 11.3.2008: USA | Primary in Mississippi
  • 14.3.2008: Iran | Parliamentary Election

Rückblick
  • 4.3.2008: USA | Primaries in Ohio, Rhode Island, Texas and Vermont
    Comeback für Hillary Clinton: Sie hat die Zitterpartie um die beiden wichtigen Vorwahlstaaten Texas und Ohio für sich entschieden. Ein Rückschlag für Kontrahent Barack Obama - das Duell der beiden Demokraten geht weiter, aufgeben will keiner. weiterlesen
  • 8.3.2008: Malaysia | Parliamentary Election
    Die Koalitionsregierung in Malaysia hat bei den Parlamentswahlen eine schwere Schlappe erlitten. Sie holte zwar die Mehrheit der Sitze, verpasste aber die Zweidrittelmehrheit im Parlament. Nach Angaben der Wahlkommission gewann die Koalition 137 von 222 Sitzen.
    Die Koalition aus 14 Parteien regiert das Land seit der Unabhängigkeit von Großbritannien vor gut 50 Jahren. Das einzige Mal, dass sie nicht mindestens zwei Drittel der Mandate hielt, war 1969: Damals sicherte sie sich 66 Prozent der Sitze. Bei der Wahl vor vier Jahren hatte sie 91 Prozent der Sitze gewonnen.
    Wahlforscher machten die hohe Inflation sowie die Unzufriedenheit der chinesischen und indischen Minderheit für die Verluste verantwortlich. Am Rande der Wahl kam es am Samstag zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Anhängern der Opposition. Die Polizei setzte nach Angaben von Augenzeugen Tränengas ein. Die Oppositionsanhänger sollen zuvor Busse mit Anhängern der Regierungspartei mit Steinen beworfen haben.
    -> Audio: "Politischer Tsunami"
  • 8.3.2008: Malta | Parliamentary Election
    Aus den Parlamentswahlen vom Samstag in der Inselrepublik Malta ist, wie die langwierigen Auszählungen erst am Montag ergaben, die christlich-demokratische Regierungspartei unter Ministerpräsident Lawrence Gonzi als Siegerin hervorgegangen. Nach dem amtlichen Endergebnis erhielt die Nationalistische Partei (NP), die seit zehn Jahren Malta regiert, 49,3 Prozent der Stimmen, die oppositionelle Labour Party (MLP) unter Alfred Sant 48,9 Prozent. Keine der beiden Parteien habe damit, so der Führer der kleinen Partei "Demokratische Alternative", Vassallo, von den Wählern den Auftrag zum alleinigen Regieren erhalten.
    Es galt am Montag aber als wahrscheinlich, dass Staatspräsident Fenech Adami, auch er aus den Reihen der Christlichen Demokraten und von 1998 bis 2004 Ministerpräsident, Gonzi mit der Regierungsbildung beauftragen werde. Nach der Verfassung muss jener Parteiführer im Parlament mit der Regierungsbildung betraut werden, der die beste Garantie für eine Mehrheit bietet. Für Gonzi war es auch die Bestätigung als NP-Chef; bei den vorigen Parlamentswahlen hatte noch Fenech Adami als Ministerpräsident und Parteiführer die Christlichen Demokraten zum Sieg geführt. Damals, im April 2003, einen Monat nach einem bestätigenden Referendum für den EU-Beitritt, hatte die NP 51,79 Prozent der Stimmen, die Labour Party nur 47,51 Prozent erhalten; die dritte Partei, die Demokratische Alternative, erhielt 0,68 Prozent der Stimmen, jedoch keinen Sitz im Parlament.
    Oppositionsführer Sant erkannte den Sieg der NP an und trat vom Amt des Parteichefs zurück. Der bisherige Ministerpräsident Gonzi rief alle Malteser auf, "die Differenzen und Spaltungen des Wahlkampfs beiseitezuschieben und zusammen für das gemeinsame Wohl zu arbeiten". Den Parlamentswahlen auf Malta kam auch deshalb große Bedeutung zu, weil es die ersten nach dem Beitritt der Inselrepublik zur EU im Jahr 2004 waren. Anfang dieses Jahres war der Euro auf Malta eingeführt worden. Mit der Wiederwahl der Nationalistischen Partei Gonzis gilt die europafreundliche Politik seiner Christlichen Demokraten als vom Wähler bestätigt.
    (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.3.2008)
  • 8.3.2008: USA | Primary in Wyoming (D)
    Der demokratische Senator Barack Obama hat die parteiinternen Abstimmungen über die Präsidentschaftskandidatur im US-Bundesstaat Wyoming gewonnen. Nach Auszählung von 96 Prozent der Stimmen führte Obama dem Nachrichtensender CNN zufolge mit 59 Prozent vor Senatorin Hillary Clinton mit 40 Prozent. Knapp 60.000 eingeschriebene Anhänger der Demokraten waren aufgerufen gewesen, sich bei sogenannten Caucuses (Parteiversammlungen) zwischen Obama und Clinton zu entscheiden.
  • 9.3.2008: Spain | Parliamentary Election
    Jose Luis Rodriguez Zapatero's ruling Socialist Party has won Spain's general election. read again
  • Wahlsplitter: Landtagswahlen im österreichischen Niederösterreich . Erwin Pröll hat die Niederösterreich-Wahlen gewonnen, nicht Wilhelm Molterer weiterlesen

Wednesday, March 05, 2008

"Bitte warten, deutschlandweit"


Als im vergangenen Jahr der vermeintliche Lokführer-Arbeiterführer Manfred Schell mal eben die Republik mit einem Streik terrorisierte und sich flugs in die Kur verabschiedete, dachten alle: schlimmer kann es nicht kommen. Das dies dann doch noch möglich ist, wurde diese Woche deutlich, denn auch bei verdis's stehen die Zeichen auf Streik und eine erste Kostprobe haben sie auch schon gezeigt: über 300 Flüge musste allein die Deutsche Lufthansa annulieren, weil Gepäckbelader, Feuerwehren und sonstiges Personal an deutschen Flughäfen den Aufstand probt. Man hatte sich die GDL zum Vorbild genommen und die Verkehrswege blockiert.
Aber auch dies könnte nur der Anfang sein von einem Schauspiel, bei dem es in einigen Tagen bereits heisst: nix geht mehr. Diesmal würde nix aber auch wirklich nix heissen. Denn in den verdi-Tarifkonflikt um den öffentlichen Dienst sind nicht nur das Flughafenpersonal eingeschlossen, sondern auch Bus- und Straßenbahnfahrer und auch die Damen und Herren im Cockpit der U-Bahnen.

Zwischenzeitlich hatte auch GDL-Chef Manfred Schell wieder Sehnsucht nach ein wenig Publicity, zu ruhig war es geworden und der anstehende Ausstand seinerselbst in diesem Frühjahr sollte zünftig gefeiert werden. Schell hatte sich daher aufgemacht, den Verhandlungstisch mit der Bahn zu verlassen. Aber was war geschehen, was den Herrn der mit niemand redet ausser mit sich selber, so in Rache brachte. Die Bahn hatte verlangt, was vereinbart war: die drei Bahn-Gewerkschaften sollten sich doch bitte darauf verständigen, wer für wen spricht und verhandelt. Der Lokführertarifvertrag war ausgehandelt, nur sollte Choleriker Schell sich auch mit Transnet und GDBA abstimmen. „Das werden wir nicht akzeptieren.“ Für Schell scheinen die Kollegen Gewerkschaftsführer so etwas wie aussätzige zu sein.
Bahnchef möchte man in diesen Zeiten wirklich nicht sein, denn nun haben auch Transnet-Boss Hansen und GDBA-Führer Hummel angekündigt, dass sie auch an einem Aufstand interessiert sind: „Wir möchten Ihnen hiermit aus Sicht der Transnet und der GDBA mitteilen, dass ... unsererseits keine Bereitschaft mehr besteht, einen Vorrang der GDL für lokführerspezifische Themen zu akzeptieren und damit eine Tarifbindung des GDL-Tarifvertrages für unsere Mitglieder hinzunehmen.“ (Schreiben an Bahnchef Mehdorn vom 5.3.2008)
Am Montag will nun die GDL mal wieder zeigen, wer Herr im Staate Deutschland ist: "Für uns steht das bombenfest, dass wir Montag beginnen.“ Die Räder sollen still stehen, die Wirtschaft mal eben um ein paar Millionen geprellt werden. Und hört die GDL auf, geht es mit Transnet / GDBA munter weiter und dann ist die GDL wieder an der Reihe.
Das Problem dabei: selbst wenn Schell sich zukünftig um seine Enkel als liebender Großvater mit Werthers Echten kümmern würde, wäre die Lage nur minimal anders, denn sein Vize Weselsky ist nicht wirklich eine Alternative.
Anders offenbar die GDL-Mitglieder, die langsam aber sicher den Kanal voll haben und endlich mehr Geld sehen wollen:
Einem Bericht der „Bild“-Zeitung zufolge wächst dort jedoch der Widerstand gegen den Streik. Viele Lokführer seien unzufrieden, weil die sicher geglaubte Gehaltserhöhung von insgesamt elf Prozent wieder auf der Kippe stehe. Unwahrscheinlich sei zudem, dass sich die Zugbegleiter an dem neuen Ausstand beteiligten. Der ausgehandelte Tarifvertrag soll nur für Lokführer und nicht für Begleitpersonal gelten.
(welt.de, 5.3.2008)
Aber selbst wenn die Basis Schell noch zur Vernunft bringt, beginnen in Deutschland lustige Tage. Eine Lösung im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes ist nicht in Sicht und so könnte es bald heissen: Deutschland abgeschnitten. Nicht mehr aus der Luft erreichbar, der Nahverkehr steht still und auch die Bahn hat den Betrieb eingestellt. Tritt jetzt noch die Telekom in den Ausstand, dürfte schnell auch das Ende des Informationszeitalters in Deutschland angebrochen sein. Und das diese Drohung nicht aus der hohlen Hand gegriffen ist, machte verdi-Boss Bsirske deutlich:
"Entweder die öffentlichen Arbeitgeber legen ein Angebot mit deutlicher Lohnerhöhung und ohne Arbeitszeitverlängerung vor, oder wir zeigen denen unsere Kraft"
(ftd.de, 5.3.2008)
Man darf sich freuen, Karneval wird wieder aufgerufen.

Kleine Staugalerie
Flugausfälle in München: Der Arbeitskampf zeigt Wirkung

Leere Schienen, volle Straßen: Wegen des BVG-Streiks bildeten sich in Berlin Staus, das absolute Verkehrschaos blieb jedoch aus.

Warnstreik am Frankfurter Flughafen: Ver.di lässt rund 2000 Mitglieder aufmarschieren.

Stillstand auch in Köln-Bonn: Hier legten die Beschäftigten an den Gepäckförderanlagen die Arbeit nieder.

Streik-Chaos auch in Berlin: Wegen eines unbefristeten Streiks bei den Verkehrsbetrieben BVG bleiben Busse und U-Bahnen in den Depots.

Flughafen Hamburg: Viele Flüge wurden gestrichen, Passagiere mussten lange warten, Geschäftsleute waren erbost.

Wenig Aufwand, großer Erfolg: In Stuttgart haben 120 Streikende gereicht, um den Flughafenbetrieb massiv zu behindern.

Warnstreik am Frankfurter Flughafen: Ver.di lässt rund 2000 Mitglieder aufmarschieren.

Acht Prozent mehr Lohn: Das ist die Forderung der Gewerkschaft. Die Arbeitgeber des Öffentlichen Dienstes bieten nur fünf Prozent - und das bei einer Verlängerung der Wochenarbeitszeit.

In Frankfurt geht nichts mehr: Betroffen sind vor allem Inlandsflüge - auch deshalb, weil an den meisten anderen deutschen Flughäfen ebenfalls gestreikt wird.

Die Passagiere müssen warten: Die Lufthansa hat vorsorglich 142 Flüge gestrichen.

"Russland hat keine Marionette gewählt"


Geredet wurde viel in den letzten Monaten über den neuen starken Mann im Kreml, vor allem jedoch als Putins Schosshündschen und Platzhalter. Putin, "lupenreiner Demokrat" nach Gerhard Schröders opider dictum, hat nicht viel dazu beigetragen, diesen Eindruck zu wieder legen. Ein Interesse hatte er daran wohl auch nicht wirklich.

Wer ist Medwedjew
Medwedjew scheint der grosse Unbekannte im Spiel der russischen Macht zu sein. Im Hintergrund hat er die Fäden als juristischer Berater im St. Petersburger Rathaus für Putin und den damaligen Bürgermeister Sobtschak gezogen. Im Hintergrund hat er als Vize-Chef der Kreml-Administration. Verborgen hat er die Fäden als oberster Gazprom-Boss gezogen. Ein eigenes Programm war nicht erkennbar.
Aber war dies seine Aufgabe? Er war angestellter und Berater, kein Politiker aus eigenen Gnaden. Mit dem Antritt zur Wahl als russischer Präsident war dies jedoch anders und dort hat er sein Programm auch sichtbar gemacht: Medwedjew ist Wladimir Putin in neuen Gewändern. Russland wird unter seiner Führung weiter den Weg gehen, alte Macht zurück zu erobern. Russland wird die Energiereserven ausnutzen, diese Aussenpolitik zu untermauern und in den ehemaligen Sowjetrepubliken ebenso zu wildern wie Europa stärker von sich abhängig zu machen. China wird ein bevorzugter Partner bleiben und die Nato - einschließlich den USA - auch künftig die Raketenabwehr in Tschechien und Polen versucht, auszutreiben. Innenpolitisch bleibt es beim Ausbau den Zentralstaates und auch künftig geht der Machterhalt über bürgerliche und Menschenrechte.
Es wird vielleicht hier und da zu einigen innenpolitischen Lockerungen kommen und die Oligarchenherrschaft aufgeweicht. Und sicher: Medwedjew wird noch einmal versuchen, der grassierenden Korruption in dem Riesenreich Einhalt zu gebieten. Ob ihm das gelingt, wird jedoch auch davon abhängen, ob er dies aus eigener Kraft erreichen will oder sich auf die Hilfe des Westens einlassen kann. Dieser wird jedoch nur dann aktiv werden, wenn sich sichtbare Erfolge zeigen und die Einschränkungen der Tätigkeit der Nichtregierungsorganisationen aufgehoben werden.

Medwedjew im russischen System
Putin wird am Tag nach der Vereidigung Ministerpräsident. Soviel steht fest. Das dies jedoch noch nichts heissen muss, hat Putin selbst gezeigt: Als er 2000 zum Jahreswechsel das Amt von seinem Vorgänger Jelzin übernahm, hatte niemand sich ausmalen können, wie schnell die Jelzin-Ära in Russland beendet sein werde. Putin verabschiedete zwar Jelzin mit einem warmen Händedruck, dass Reinemachen im Kreml und der gesamten russischen Staatsverwaltung ging jedoch ebenso schnell. Heute haben die Kinder und Ziehkinder des einstigen Patriarchen nichts mehr zu sagen und Putin hat so die Möglichkeiten genutzt, die ihm das Amt bot.
Auch wenn Putin Ministerpräsident wird, könnte ihm rasch ein ähnliches Schicksal drohen. Der Machtapparat, der bisher auf ihn zugeschnitten war, wird sich rasch dem neuen Hausherrn zuwenden und der heisst Medwedjew. Er vergibt die Posten und selbst Putin ist nur ein Ministerpräsident von Dimitris Gnaden. Der Zar auf Zeit hat damit jedoch auch die Medienaufmerksamkeit, die für sein Amt notwendig ist und sollte Putin diese stören, muss sich der neue Präsident überlegen, wie lange er dieses Spiel tolerieren kann und will. Mit dem Anspruch einer eigenen Präsidentschaft lässt sich nur schwer das Reinreden aus dem Weißen Haus verbinden und so ist der neue Amtsstuhl Putins hochgradig gefährdet.

Ausgemacht ist daher nichts, wie es in Russland weitergeht. Die Wahlen waren nicht frei, die Zukunft bleibt jedoch ebenso unklar. Der Morgennebel auf der Moskwa lässt grüssen.



=> Russische Pressekommentare zur Wahl

Monday, March 03, 2008

Wahlkalender 10/2008


Ausblick
  • 4.3.2008: USA | Primaries in Ohio, Rhode Island, Texas and Vermont
  • 8.3.2008: Malaysia | Parliamentary Election
  • 8.3.2008: Malta | Parliamentary Election
  • 8.3.2008: USA | Primary in Wyoming (D)
  • 9.3.2008: Spain | Parliamentary Election

Rückblick
  • 26.2.2008: Lebanon | President
    - verschoben -

  • 2.3.2008: Bayern |Kommunalwahlen
    In München und Nürnberg können die Regenten weiterregieren und verwiesen die Herausforderer Schmidt und Gsell auf die Plätze. In München hat die CSU drastisch verloren und so den Bestand der ältesten rot-grünen Koalition sichern. Aber auch die Rechtsradikalen konnten in beide Stadtparlamente einziehen.
    Die CSU verlor landesweit im Gegensatz zur letzten Kommunalwahl, konnte jedoch ihre Position als stärkste Partei auf kommunaler Ebene beibehalten. In den Stichwahlen in zwei Wochen wird in zahlreichen Landkreisen und Gemeinden endgültig über die Chefs in Landratsämtern und Rathäusern entschieden und überraschend viele CSU-Kandidaten scheiterten an einem glanzvollen Einzug.
    Das ein Rückschluss auf die Landtagswahlen im Herbst daraus möglich ist, ist jedoch falsch.
  • 2.3.2008: Rußland | Presidential Election
    70 Prozent erreichte der Kreml-Kandidat Dimtri Medwedjew und konnte sich damit bereits im ersten Wahlgang die Präsidentschaft sichern. Der Kandidat von Putins Gnaden wurde in einer als eher unfrei bezeichneten Wahl in den Kreml gewählt.
    -> Kommentar

Friday, February 29, 2008

Satz der Woche: Energie und das Netz


Den Satz der Woche hat diesmal die Bundeskanzlerin höchstselbst gesprochen. Zum geplanten Verkauf des Netzes durch den Stromerzeuger E.on und die scheinbar doch zu stellende Frage, ob man für die Stromverteilung ein Verteilnetz benötigt, meinte sie in gewohnt deutlicher Art:

"Die Erzeugung von Strom ohne Netz sei nun einmal eine dumme Sache."

Wo sie Recht hat sie Recht und man müsste eigentlich die Frage stellen, wer die Bundeskanzlerin zu dieser Stellungnahme verleitet hat.