Monday, August 06, 2007

Die Reiseziele der Politik - Teil I

... und da die Deutschen als Reiseweltmeister bekannt sind, dachten sich die Mitglieder des Deutschen Bundestages: wo unsere Untertanen sind, da sind wir auch. Die Pressestelle des Bundestages war dann auch so frei und hat uns die Hitliste der Reiseziele mitgeteilt und um die Übersicht zu behalten, bringen wir dies mal auf die Reise und nennen auch die interessanten Themen der Reisen

Die Deutsch- Australisch- Neuseeländische Parlamentariergruppe hält in den Sommerferien standesgemäss in Canberra und Wellington auf. Ein paar nette Gespräche stehen an wie mit denjenigen, die sich auch sonst um die Beziehungen zu Deutschland kümmern und den Parlamentspräsidenten. Tee und Gebäck werden da sicher reichlich serviert.
Und auch das Thema Migration macht der Parlamentariergruppe schwer zu schaffen und da lohnt sich ein Besuch in den klassischen Einwanderungsländern allemal.

Die Reiseziele der Politik - Teil II

... und da die Deutschen als Reiseweltmeister bekannt sind, dachten sich die Mitglieder des Deutschen Bundestages: wo unsere Untertanen sind, da sind wir auch. Die Pressestelle des Bundestages war dann auch so frei und hat uns die Hitliste der Reiseziele mitgeteilt und um die Übersicht zu behalten, bringen wir dies mal auf die Reise und nennen auch die interessanten Themen der Reisen

Den Haushaltsausschuss zieht es gleich zweimal in den Sommerferien in die Ferne. Zunächst machen seine Mitglieder einen "mehrtägigen" Abstecher in die chinesische Hauptstadt Peking zum Thema der deutschen Entwicklungsfinanzierung


um sich dann in Ottawa (Canada) und New York den Themen Wissenschaft und Forschung zu widmen. Vertieft werden sollen die bilateralen Forschungs- und Bildungsbeziehungen und man will mal nachschauen, ob noch alles in Ordnung ist mit der Hochschulfinanzierung im Urland des Kapitalismus mit hervorragenden Forschungseinrichtungen.

Beide Themen dürften auch bei anderen Fachbereichen Aufmerksamkeit finden: dem Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie dem Ausschuss für Bildung und Forschung. Das Vertreter dieser an der Reise teilnehmen oder gar selbst sich vor Ort ein Bild machen ist jedoch bislang nicht bekannt. Aber der Sommer ist noch lang

Die Reiseziele der Politik - Teil III

... und da die Deutschen als Reiseweltmeister bekannt sind, dachten sich die Mitglieder des Deutschen Bundestages: wo unsere Untertanen sind, da sind wir auch. Die Pressestelle des Bundestages war dann auch so frei und hat uns die Hitliste der Reiseziele mitgeteilt und um die Übersicht zu behalten, bringen wir dies mal auf die Reise und nennen auch die interessanten Themen der Reisen

Den Auswärtigen Ausschuss zieht es nach Indien, um genauer zu sein Neu Dehli und Mumbai. So wirkliche Themen nennt der Ausschuss für seinen Kurztripp nicht, aber einige Gesprächspartner: den Sonderbeauftragten für die indisch-amerikanische (!) Nuklearproduktion, den Besuch der Deutschen Schule - sicherlich mit einem hervorragenden Bildtermin - und eine Diskussion im Goethe-Institut zur auswärtigen Kulturpolitik.
In Mumbai wird es dann etwas happiger, denn da steht ein Gespräch mit der Slum Development Company an. Diese ist nun dafür zuständig, die Slums des früheren Bombay zu entwickeln und manche sagen auch, dass sie den Bewohnern durch die Baupläne die Existenz rauben.

Die Reiseziele der Politik - Teil IV

... und da die Deutschen als Reiseweltmeister bekannt sind, dachten sich die Mitglieder des Deutschen Bundestages: wo unsere Untertanen sind, da sind wir auch. Die Pressestelle des Bundestages war dann auch so frei und hat uns die Hitliste der Reiseziele mitgeteilt und um die Übersicht zu behalten, bringen wir dies mal auf die Reise und nennen auch die interessanten Themen der Reisen:

Der Finanzausschuss hat sich diesmal vorgenommen, Umweltprobleme in Brasilien und Argentinien genauer zu inspizieren. Wohlweisslich wurden die Städte der Reise nicht weiter genannt und so ist unbekannt, ob auch die Umweltprobleme der Copa Gabana und der Gouchos Beachtung finden werden.



Und auch den Ausschuss für Arbeit und Soziales zieht es in südamerikanische Gefilde. Neben Brasilien und Argentinien steht hier auch Urugay auf dem Plan. Das Thema ist allgemein gehalten: Gespräche mit Kirchen, Gewerkschaften und Sozialversicherungsträgern. Und da die Vertreter deutscher politischer Stiftungen nicht in der Nähe von Berlin Büros unterhalten, müssen diese ebenfalls heimgesucht werden.

Sommerzeit ist Reisezeit - Teil V

... und da die Deutschen als Reiseweltmeister bekannt sind, dachten sich die Mitglieder des Deutschen Bundestages: wo unsere Untertanen sind, da sind wir auch. Die Pressestelle des Bundestages war dann auch so frei und hat uns die Hitliste der Reiseziele mitgeteilt und um die Übersicht zu behalten, bringen wir dies mal auf die Reise und nennen auch die interessanten Themen der Reisen

Ein ganz besonderes Schmankerl hat sich der Kulturausschuss vorgenommen. Ihn zieht es zum Festival de Poesia nach Columbien.
Das hier auch ein Bezug zu Deutschland besteht, wurde nicht mitgeteilt. Aber so ein Festival hat etwas und da wollte jeder doch mal hin.

Wednesday, August 01, 2007

Simbabwe führt 200.000-Dollar-Schein ein

Wer sich mit Geschichte auskennt, fühlt sich bei der Meldung unweigerlich an längst vergangene Zeiten erinnert, die in Deutschland einmal die Radikalen genährt hat. In Simbabwe, der einstigen Kornkammer Afrikas, ist der Radikale in Gestalt Robert Mugabes, einstiger Hoffnungsträger in dem front line state, bereits an der Macht und ruiniert sein Land seit mehreren Jahren in eine tiefe Krise. Die Inflation ist bislang schon gloppiert und erreichte Werte von 4.000 Prozent.

Das Mugabe und seine Clique jedoch auch in dieser Situation noch jeglichen Sinn für die Realität verloren haben, zeigt der Umtauschkurs: für die 200.000 Z$ erhält man bei den Filialen der Nationalbank stolze 800 US$. Geht man auf die Strasse, so ist das Geld lediglich noch 1,40 US$ wert.
Und: Obwohl die Zentralbank 2006 bereits drei Nullen der Landeswährung gestrichen hat, müssen Simbabwer nach wie vor mit großen Geldbündeln zahlen, wenn sie trotz der Mangelwirtschaft eins der knappen Güter finden. Selbst die Grundnahrungsmittel sind in dem rohstoffreichen und auch landwirtschaftlich eigentlich gut dastehenden Land zwischenzeitlich knapp. Bis vor kurzem war dies anders und Zimbabwe gehörte zu einem der Länder Afrikas, mit einer Entwicklungschance. Erst als Mugabe seit Mitte der 1990er Jahre versuchte, "Kriegsveteranen", die teilweise so jung, dass sie an den Befreiungskriegen gar nicht teilgenommen haben können, zu radikalisieren und Landbesitzer in fragwürdigen Verfahren zu enteignen oder das Land einfach zu besetzen, ging es abwärts. Die internationale Gemeinschaft hat zwischenzeitlich jegliche Zusammenarbeit eingestellt und Mugabe antwortet mit noch stärkere Repression vor allem gegen die innere Opposition unter Führung von Morgan Tsvangirai und des MDC.

Ein Ende der Fahnenstange ist dabei noch nicht erreicht:
Die Inflation in Simbabwe könnte nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) noch in diesem Jahr auf weit über 100.000 Prozent steigen. "Die wirtschaftlichen Aussichten sind sehr düster", sagte Abdoulaye Bio Tchane, Direktor im Afrika-Ressort des IWF. Die von der Regierung von Präsident Robert Mugabe verhängten Preiskontrollen würden die Knappheit vieler Waren weiter verschärfen und so letztlich die Inflation weiter anheizen. Außerdem werde die Wirtschaft in diesem Jahr weiter schrumpfen.
(ftd.de 31.7.2007)
Mugabe und Zimbabwe würden damit endgültig alle Rekorde brechen. Die Bevölkerung würde wahrscheinlich darauf gerne verzichten.

Sunday, July 22, 2007

An der Hohen Pforte angeklopft


Als Istanbul noch Konstantinobel hieß und Sitz des Sultans des Osmanischen Reiches war es Teil der europäischen Großmachtpolitik. Heute ist Istanbul nicht mehr die Hauptstadt eines islamischen Großreiches, sondern "nur" noch die größte Stadt und Wirtschaftsmetropole der Türkei. Die Stadt am Bosporus ist das Einfallstor in die Türkei und die weltweit einzigste auf zwei Kontinenten.
Dennoch achtet die Welt darauf, was hier gewählt wird oder eigentlich auch, was in der Türkei insgesamt entschieden wird.

Am 22. Juli 2007 war es wieder soweit und die Türken schritten zur Wahl. Ungewöhnlich waren jedoch die Umstände dieser vorgezogenen Neuwahlen, denn nicht die Regierung war auseinandergefallen, sondern das Militär hatte offen gedroht. Es ist richtig, dass die AKP Erdogans eine Partei mit einer Prägung im Islam ist, nichts anderes übrigens als die deutschen Unionsparteien mit einer tiefen Verankerung im Christentum. Aber: Erdogan und die AKP haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sie gerade keine Fundamentalisten sind und einen Gottesstaat aufzubauen gedenken. Zu bekannt ist ihnen, dass ihnen hierfür die Zustimmung in der Bevölkerung fehlt.
Aber sie haben einiges geleistet: die Kurden-Problematik wurde weitgehend entschärft, wenn auch noch nicht geläst. Abdullah Öczalan sitzt in Haft und die Todesstrafe wurde im Interesse der europäischen Integration abgeschafft. Der Weg der Türkei nach Europa ist seitens der Pforte von Istanbul weit geöffnet und es liegt nun an Europa, dem Land am Bosporus eine Perspektive zu öffnen. Die Wirtschaft floriert und die Inflation ist eingedämmt.
Was die AKP nun im Frühjahr wollte ist einen der ihren zum Staatspräsidenten wählen zu lassen. Die konservative CHP - lange Jahre die politische Kraft der Türkei - hatte dies auf parlamentarischem Weg verhindert und das Militär gedroht: die Säkularität ist heilig und die Militärs werden sie zu verteidigen wissen. Das es da nichts zu verteidigen gibt, haben sie jedoch nicht erkannt.

Erdogan hat nun einen überragenden Wahlsieg eingefahren. Die Zweidrittelmehrheit erreichte er im Wohle der Demokratie nicht und so ist ihm die eigenmächtige Verfassungsänderung auch weiterhin verbaut. Aber seine Macht wurde gegenüber dem Militär deutlich gestärkt und vielleicht wird die Türkei in Zukunft auch dahingehend ein normales Land, dass nicht das Militär die Politik am Neujahr empfängt, sondern die Politik die Geselschaft und das Militär.
Und es hat sich noch etwas gezeigt: will Europa die Türkei als Partner nicht verlieren, so ist die AKP hier Partner. Die CHP ist von ihrem alten Kurs abgewichen und eine nationalistische Gruppierung geworden. Ein Europa ist mir ihr - der Partei Mustafa Kemal Atatürks - nicht mehr zu machen.

Sunday, July 08, 2007

Die 14 Weltwunder

Wer künftig nach den Weltwundern aus Stein sucht, muss in zwei Listen schauen: die der UNESCO und die inoffizielle einer privaten Initiative von Bernhard Weber. Und nun hat die Erde sieben neue Weltwunder und eine Auseinandersetzung, ob die neuen den nun tatsächlich Weltwunder sind. Die UNESCO, bisher Hüterin der Liste bestreitet dies vehement.

Die praktische Bedeutung ist jedoch eher gering. Lediglich der touristische Effekt dürfte diesen Ländern und Standorten sehr viel bringen. Insofern: Herzlichen Glückwunsch.

-> Die 14. Weltwunder

Monday, July 02, 2007

Asiens Jahrestage II: Crash


Wer Bangkok betritt, betritt eine lebendig pulsierende Stadt, die trotz Putsch nichts von ihrem Charme verloren hat. Von einer Diktatur merkt man wenig. Bereits seit fast zwei Jahrzehnten hatte sich Bangkok zu einem neuen Zentrum der Properität entwickelt und mit den asiatischen "Tigerstaaten" Taiwan, Südkorea, Singapore und Hongkong einen Verbund der neuen asiatischen Wirtschaftsmacht gebildet. Dazu gehörten auch Indonesien und Malaysia sowie die Philippinen, die mit Thailand unter der Bezeichnung "Pantherstaaten" firmierten.
Vor zehn Jahren wurde jedoch deutlich, dass die Entwicklung auf Treibsand gebaut war. Am 2. Juli 1997 musste die thailändische Nationalbank den Kurs des Bath freigeben. Die Nationalbanken der Panther und Tiger folgten, die Ökonomien der Region brachen förmlich weg. Zu hoch war die Kreditfinanzierung, zu gigantisch die in Angriff genommenen Projekte. Die - auch leichtfertige - Kreditvergabe verhinderte, dass die Entwicklung der Länder mit denen der Investitionen Schritt halten konnte. Nun wurde sehr deutlich, dass die Welt nicht nur aus Finanzinvestitionen ohne realen Bezug zur Wirklichkeit besteht und bei einer Verquerung dieser Tatsachen ein Hype sehr schnell platzen kann.

Nicht eingetreten ist jedoch der Niedergang Asiens. Immer noch ist der Ferne Osten einschliesslich der süd- und südostasiatischen Staaten eine Wachstumsregion. Die Worldbank pumpte rasch Geld in die Region, um den Verfall zu stoppen - mit Auflagen, die letztlich eine Glücksseeligkeit für die Region darstellten. Die viel gescholtenen Auflagen der Worldbank trugen nämlich dazu bei, dass grundlegende Prinzipien von Nachhaltigkeit und Risikovorsorge auch in Asien Einzug gehalten haben. Betrachtet man die Region heute, ist China und Indien nicht mehr von den Tigern und Panthern zu trennen. Sie sind heute wieder ein Zentrum der globalen Dynamik, die nicht nur die Wirtschaft weiterentwickelt haben. Auch wenn Thailand seit einem Jahr wieder von putschenden Generälen regiert wird, ist die Demokratie zwischenzeitlich weit in Asien eingezogen: Malaysia und Indonesien, Philippinen und Hongkong und Südkorea. Und selbst in Vietnam und China ist eine Öffnung feststellbar, die mit der wirtschaftlichen Öffnung nicht zu verhindern war. Und fast ebenso wichtig ist die Integration der Region über die ASEAN. Niemand kann und will erwarten, dass diese die Tiefe der EU erreichen wird, selbst wenn dies von einigen Politikern der Region von Zeit zu Zeit propagiert wird. Aber die ASEAN zeigt auch, dass sie ein Garant einer Wertegesellschaft ist, in der wirtschaftlicher Erfolg und der Aufbau einer Zivilgesellschaft Hand in Hand gehen. Die Suspendierung Burmas macht dies eindrucksvoll deutlich. Mit dem Einschluss der big three China, Indien und Japan sowie Südkoreas in unterschiedlichen Formen zeigt zudem Züge einer Sicherheitspartnerschaft, die Lösungswege aufzeigt und einen Diskussionsrahmen ausserhalb von Kampfhandlungen gibt.
Zwar kann es nicht über die grossen sozialen Unterschiede in der Region hinwegtäuschen. Hat es jedoch vor einem Jahrzehnt nur eine sehr dünne Mittelschicht gegeben, so ist diese zwischenzeitlich am Wachsen.
Asien kommt also voran. Und es hat Lehren gezogen: zu seinem eigenen Vorteil.

Asien hat dennoch nichts von seinem Charme verloren. Nicht nur Thailand ist das Land des Lächelns, sondern die gesamte Region. Reich an Kultur ist es immer eine Reise wert und die misstrauischen Augen der Staatsmacht, was man ausser Devisen in das Land bringt verschwinden zunehmend.

Lesehinweis:
Die Asienkrise erscheint nur noch als Alptraum, FAZ 3.7.2007

Sunday, July 01, 2007

Asiens Jahrestage I: Hongkong wird chinesisch


Als Hongkong 1898 für 99 Jahre zur britischen Kronkolonie wurde, ahnte keiner, welchen Erfolg dieses Modell für die Stadt am Perlfluss hatte. Als Hongkong vor 10 Jahren an den chinesischen Staat zurückfiel ahnte ebenso keiner, dass damit nicht das Ende der Prosperität heranrückte, sondern die Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft sich fortsetzte.

Beide Seiten hatten vorgesorgt: wer noch schnell britischer Staatsbürger werden wollte, konnte dies. Und der Pekinger Regierung ging es vor allem darum, die Uhr in Hongkong (und zwei Jahre später in Macau) nicht zurückzudrehen, aber doch ein Überspringen auf den großen Rest zu verhindern. Chinas KP-Führung konnte da auf die Briten selbst verweisen, die sich erst kurz vor dem Ende ihrer Herrschaft an ihre demokratischen Traditionen erinnerten und auch ihren Kronuntertanen Demokratie angedeuen ließen. Die Democratic Party war seither die führende Macht im Stadtstaat am Perlfluss.
Viele hatten erwartet, dass China trotz der Zusicherungen über kurz oder lang die demokratischen Strukturen vollends ausser Kraft setzte. Die Einsetzung von Tsung Chee-Hwa als Chief Executive war an dieser Stelle eine Warnung und auch die Zusammensetzung des Legislative Council aus 30 ernannten und 24 gewählten Mitgliedern erregte Befürchtungen.
Und noch etwas erregte Aufmerksamkeit: als die chinesische Souveränität am 1. Juli 1997 hergestellt wurde, marschierten über die Brücke des Perlflusses umgehend Militärs ein.

Hingkong hatte sich auf den Tag X vorbereitet: Während die Bürger zusätzlich die britische Staatsbürgerschaft annahmen, wurden Investitionen so getätigt, dass sie rasch abziehbar waren. Selbst Gebäude konnten eingeklappt und abtransportiert werden. Die Sorge bei den Hongkongern nach dem Ereignissen vom Sommer 1989 in Peking war gross und konnte auch das das Basic Law nicht genommen werden. Erfahrungen bestanden nicht, nur Hongkong sollte Vorbild sein für die Eingliederung Macaus und - in ein Wunschtraum - Taiwans.

Zehn Jahre später zeigt sich, dass die Sorge unbegründet war. Dies hat gleich mehrere Ursachen. Die wichtigste jedoch dürfte sein, dass sich die Pekinger Regierung gewandelt hat und sie auf die Hongkonger Wirtschaftskraft angewiesen ist. Peking will den wirtschaftlichen Wandel und braucht hierfür die westlichen Staaten mit ihrem Know How und ihrem Kapital. Es wäre den zahlreichen anderen Freihandelszonen - angefangen in Shanghai und aufgehört im benachbarten Kanton - schlecht bekommen, wäre die Regierung mit sozialistischen Maßstäben einmarschiert. Die Hongkonger Wirtschaft konnte sich deshalb auch weiterhin frei entfalten und dürfte dem Turbo-SozialismusKapitalismus auf Chinas Festlandterritorium zwischenzeitlich hinter her hinken.
Und die Demokratie? Hier hat sich nichts geändert, wenn man davon absieht, dass sie Hongkonger Bevölkerung erfolgreich Versuche Pekings abgewehrt hat, den Chief Executive der vollständig eigenen Kontrolle zu unterstellen. Sie besitzt Selbstcourage und versteht es, ihre Interessen durchzusetzen und dies wird langfristig auch Auswirkungen auf das Festland haben. Die Grenzen sind durchlässiger geworden und mit dem Kampf gegen die Korruption wie zuletzt in Shangai hat auch die KP neue Maßstäbe für Offenheit gesetzt.

Der Übergang der Souveränität von London auf Peking kann damit ein Glücksfall für China gewesen sein. Nachdem auch in Macau mehr geräuchlos und erfolgreich an China zurück gegeben wurde, fehlt nun nur noch Taiwan. Die Wiedervereinigung der beiden Chinas steht dabei wohl ebenso in der Ferne wie der beiden Koreas. Jedoch zeigt sich, dass das Prinzip "Ein Land, zwei Systeme" funktionieren kann und für Festlandschina nicht zum Nachteil gereicht.

Sunday, June 17, 2007

Parteitag II: Die Freiheitsstatue der Republik


Als die FDP ihren Bundesparteitag 2007 geplant hatte, dürfte die Gründung der Linkspartei noch wenig beplant gewesen sein. Dass die Linkspartei ihren Gründungsparteitag ausgerechnet auf ein FDP-Wochenende legte, war den auch denkbar unschön und stahl der Entertainment-Opposition die Show. Bedenkt man die Kosten eines solches Großereignisses ist die mediale Ausbeute denn auch denkbar gering.

Während die mediale Ausbeute mit anderen Ereignissen konkurriert, sind es die Inhalte gewöhnlich nicht. Diese verantwortet eine Partei gewöhnlich selbst. Wer dann gehofft hatte, die Themen Kultur und Soziales bestimmen auch nach außen hin das Erscheinungsbild dieses Parteitages wurde rasch eines besseren belehrt. Der Parteitag war schlicht langweilig und lediglich das magere Ergebnis für Vize Pieper sorgten dafür, dass das Stuttgarter Delegiertentreffen einigermaßen wahrgenommen wurde.
Die Inhalte blieben jedoch mager. Dies lag weniger darin, dass sie eine Zusammenfassung der bisherigen Beschlusslage darstellen. Was jedoch wieder fehlt ist eine Vision über den Umbau des Sozialstaates hin zu einer leistungsfähigen und leistungswilligen Gesellschaft. Selbst die FDP, die rhetorisch so stark von der Abkehr des Staates spricht, ist in sich genauso staatsgläubig wie Grüne und Union. Die Nuancen in dieser Jamaika-Koalition sind nur partiell. Egal ob Bildung, Kinderbetreuung, Rente oder oder Sozialfürsorge: der Staat bleibt im Mittelpunkt des Denkens, nicht die Gesellschaft. Die Politik - die FDP eingeschlossen - hat es bislang verpasst, gesellschaftliche Kräfte zu stärken und wie in den USA die Gesellschaft stärker in die Pflicht zu nehmen. Diese Pluralität fehlt im Denken der FDP weitgehend nicht nur im Sozialen, sondern auch im Kulturellen.

Was übriggeblieben ist von dem Stuttgarter Treffen der Entertainmentopposition ist die plakative Revitalisierung des Spruches "Freiheit oder Sozialismus". Westerwelle, tief verärgert über das parallele Treffen der Linkspartei, erhielt zwar innerparteiliche reichhaltige Kritik. Mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Wolfgang Kubicki war sie jedoch von den üblichen Verdächtigen seiner ewigen Rivalen. Die Partei blieb stumm und man könnte fast glauben, die innerparteiliche Diskussionskultur, früher zwar gesitteter aber ähnlich freudig wie bei den Grünen, hat sich zwischenzeitlich verabschiedet. Westerwelle ist unumstritten und ein Wiederwort traut sich niemand mehr.

Slideshow: Guido im Rampenlicht

Parteitag I: Vergangenes wird wiederbelebt


Es ist ein dreifaches Comeback: Oskar Lafontaine, Lothar Bisky und Gregor Gysi waren alles Politiker, die bereits von ihren Ämtern abgetreten waren. Während Bisky und Gysi von ihren eigenen Partein ob des Unvermögens ihrer Nachfolger aus dem Ruhestand wiederbelebt wurden, wurde Lafontaine der Ruhestand offenbar doch ein wenig zu langweilig und er belebte sich 2005 selbst wieder.
Man könnte daraus auch folgern, dass es die Partei der alten Männer sind. Fakt ist jedenfalls, dass die "neue" Partei nicht in der Lage ist, neue Köpfe zu präsentieren. Die stetige Dominante der Partei ist dabei Lafontaine, der sie immer wieder dazu benutzt, um mit seinen alten Genossen von der SPD abzurechnen. Die Abwahl seines Erzrivalen Schröder hatte er bereits erreicht und nun geht es ihm immer stärker darum, die Dominanz über die SPD von außen zu erhalten. Für Lafontaine ist es eher ein Spiel und die neue Linkspartei sein derzeitiges Spielzeug. Es geht im dabei überhaupt nicht mehr darum, konstruktive und zielführende Politik zu gestalten.

Dabei offenbart auch das Programm - oder besser gesagt die Programmfragmente - der Partei die eher rückwärtsgewandte Position im Parteienspektrum. Die Linkspartei ist in der Realität einer globalen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft noch nicht angekommen. Lafontaine fasste dieses "klarste Profil aller Parteien" zusammen
Wir sind ja in den Gemeinden und Ländern in der Verantwortung, aber wir sind im Bund nicht bereit, unsere Hand zu reichen zum Sozialabbau. Sobald aber ein Partner auftaucht, der uns sagt, oder zwei Partner, wir revidieren Hartz IV, wir bauen eine Rentenformel, die eine armutsfeste Rente garantiert, wir machen eine Steuerpolitik, die auch die Vermögenden und Wohlhabenden stärker heranzieht, und wir ziehen die Truppen aus Afghanistan zurück, bilden wir sofort eine Regierung. Das sind alles Vorschläge, die in anderen Ländern realisiert sind, in anderen Ländern gehen, auch von konservativen Parteien mitgetragen werden. Wir sollten den deutschen Sonderweg des Sozialabbaus und der Beteiligung an völkerrechtswidrigen Kriegen aufgeben.
Lafontaine verschweigt dabei die Länder, die jenes getan haben. Ihm kommt es auf den Kuschelstaat an und für die Einführung des Sozialismus. In den Programmeckpunkten heisst es hierzu:
Dazu machen wir uns im Hier und Heute auf den Weg, gegen Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und gegen patriarchale und rassistische Unterdrückung. ... Aufgabe linker Politik bei der Schaffung eines modernen Sozialstaates ist der dauerhafte Schutz der Menschen in großen Lebensrisiken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit und Armut.
Was heisst dies jedoch in der Realität: Der Staat wird aufgebläht und zum Kontrolleur des freien Unternehmertums. Die Rücknahme der Hartz IV-Gesetzgebung führt zur Herausnahme der zwischenzeitlich eingetretenen Dynamik auf dem Arbeitsmarkt. Die Linke verkennt da hier grundsätzlich, dass es zunächst Aufgabe jedes Einzelnen ist, sich vor den Lebensrisiken zu schützen und dass er dies auch seinen individuellen Bedürfnissen entsprechend besser kann.
Aber auch was die internationale Politik anbelangt hat die Linke bis heute nicht verstanden, dass es bei Auslandseinsätzen nicht (nur) um deutsche Politik und Interessen geht, sondern um die Sicherung internationaler Stabilität. Unabhängig davon liegt die Beseitigung eines instabilen und terroristisch orientierten Staates wie dem Taliban-Regimes im deutschen Interesse und der dortigen Bevölkerung. Hier fehlt der alten wie der neuen Linken ein fundiertes Konzept für Friedensschaffung und Etablierung. Übersehen hat sie nämlich den doppelten Ansatz deutscher Außenpolitik.

Thursday, June 07, 2007

Das neue Triumvirat Europa´s


Als Gerhard Schröder 1998 seinen Amtseid leistete, hatte er noch dicke Bande nach 10 Downing Street geknüpft. Der damalige Hausherr hieß Tony Blair. Beide haben 1999 sogar ein Positionspapier veröffentlicht, in dem die neue Sozialdemokratie - New Labour auf europäisch - beschrieben wurde. Mit ihren französischen Freunden um Lionel Jospin hatten sie es sich damit zwar verscherzt, aber der deutschen Politik neben der nach Paris eine neue strategische Achse in Europa nach London vermittelt.
Acht Jahre später sieht die Welt schon anders: Lionel Jospin sah sich 2002 gezwungen, zur Wahl seines Erzrivalen Jacques Chirac aufzurufen und sich ansonsten in den sozialistischen Ruhestand zu verabschieden. Don Testosteron Gerhard Schröder kümmert sich zwischenzeitlich um die Ölpipelines in der Ostsee und wurde zuvor in den politischen Ruhestand verabschiedet. Und auch Tony Blair hat sich abgearbeitet und seine gelegentlichen Ausflüge zu seinem Vorbild Bush jun. ihne letztlich quälend aus dem Amt entfernt.

Wenn am 27. Juni 2007 der neue britische Premier sein Amt antritt ist das europäische Triumvirat komplett: Angela Merkel als Bundeskanzlerin in Berlin, Nicolas Sarkozy als PräsidentenPremierminister in Paris und Gordon Brown als Lordsigelbewahrer britischer Souveränität in London. Schon einmal gab es diese Gemeinsamkeit, als sich vor EU-Gipfeln eben jene drei wichtigsten europäischen Amtsträger trafen und deutlich machten: Ohne uns geht nichts und gegen uns schon gar nichts. Der Zorn der kleineren EU-Mitglieder war ihnen gewiss. Aber auch die damit dargelegte Machtbasis.

Die europäischen Aufgaben sind jedoch gewaltig und so darf es weniger auf Befindlichkeiten als auf Lösungen ankommen. Die drei großen Staaten der EU haben hier eine zentrale Motorfunktion und die müssen sie nach Möglichkeit auch gemeinsam wahrnehmen. Und was sind die Aufgaben:

Europäische Verfassung: Der Prozess ist zwischenzeitlich festgefahren, nachdem in Frankreich und den Niederlanden die Bevölkerung "NEIN" zu Europa sagte. Frankreichs Präsident Sarkozy hat im Wahlkampf deutlich gemacht, dass ihm eine schlanke Verfassung vorschwebt, die rasch ausgearbeitet und implementiert werden kann. Darin inbegriffen ist jedoch auch die Lösung der Beitrags-Frage und deren Rabatte. Der EU-Gipfel Ende Juni 2007 wird hier den Fahrplan bestimmen und durch die Einbindung Londons kann hier der Weg gelegt werden, bei dem die Bürger wieder sich als Europäer fühlen.
Die Weichenstellung ist aber auch im Hinblick auf die Erweiterungsrunden erforderlich. Dies betrifft nicht nur die Türkei, sondern auch die Ukraine, die Balkan-Staaten und die Kaukasus-Region sowie das weitergehende Verhältnis zu Russland. Nur wenn die Frage der weiteren Integrationstiefe geklärt ist, kann auch eine Antwort auf die Dauer der Konsolidierung der bisherigen Erweiterungsprozesse und die Gestaltung der zukünftigen Erweiterungen gefunden werden.
Die Big Three haben hier eine zentrale Verantwortung. Sie sind es letztlich, die die Hauptlasten tragen müssen und den Hauptnutzen haben. Ohne sie geht es nicht und dies ist auch allen anderen EU-Mitgliedern bewusst. Während dabei ein Dissens mit einigen Kleinen aushaltbar ist, wird der Dissens der Big Three langfristig eine Spaltung Europas zur Folge haben.

Transatlantische Beziehungen: Die USA werden in rund eineinhalb Jahren einen neuen Präsidenten haben und der amtierende ist aufgrund seiner innenpolitischen Isolation zur lame duck geworden. Die EU hat damit Zeit, ihr Verhältnis zu den USA neu zu ordnen und sich innerlich zu einigen. Deutlich muss werden: die EU lässt sich nicht auseinanderdividieren. Die Big Three müssen insbesondere Polen und Tschechien verdeutlichen, dass - unabhängig von der Meinung zum Raketenabwehrschild - solch grundsätzliche Fragen nicht mehr allein durch die Mitgliedsstaaten entschieden werden können. Und auch der USA muss deutlich werden, dass die Spaltung der EU langfristig ihr eigener Schaden ist und der kurfristige Nutzen hier nicht hilft.
Gleichzeitig müssen die Positionen zur Doha-Runde, den diversen Auseinandersetzungen vor der WTO, Klima- und Umweltfragen und auch die Frage der Erweiterung von EU und Nato mit den USA geradegezogen werden.
London als historisch enger Verbündeter, Deutschland als die führende Macht in Europa und Frankreich als grand nation mit dem Anspruch des Gegenspielers zu den USA bildet ihr eine ideale Ergänzung, die Europas Interessen artikulieren kann, ohne gleichzeitig als Gegenpart zu den USA zu stehen.

Zentralasien und die Energiefrage: Die Konfliktlage im Nahen Osten, der Ölhunger Chinas und Indiens und die Suche nach Energiequellen ausserhalb Russlands haben die zentralasiatsichen und kaukasischen Staaten in das Blickfeld rücken lassen. Während die USA nach einem kurzzeitigen Intermezzo 2002 und 2003 sich wieder aus der Region zurückziehen mussten genießt Europa durchaus an Ansehen. Obwohl Russland im Verbund mit China über die Shanghai-Organisation wieder versucht, in diesem Republiken Fuss zu fassen, besitzt auch die EU eine Chance, die Region in ihrem Sinne zu beeinflussen. Berlin hat mit der Ankündigung der Zentralasien-Initiative die Zeichen der Zeit erkannt, bilden die Republiken doch eine Chance der Reduzierung der Abhängigkeiten von Russland. Zudem könnten sie die gemeinsamen Werte von USA und Europa in die Region hineintragen. Obwohl der Präsidentenwechsel in Turkmenistan kein regime change geworden ist, bietet er dennoch Hoffnung. Denn auch ein Präsident Berdimuhammedow kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und seine Versprechen zur Verbesserung der sozialen Lage ad acta legen. Und auch in Kirgistan wurden mit Bakijew und Kulow - wenn auch derzeit mal wieder zerstritten - the wind of changes eingeleidet.

Russland und die europäischen Beziehungen: Russland berüht zwischenzeitlich (wieder) vielfältig die europäische Entwicklung. Einerseits ist der eurasische Koloss einer der wichtigsten europäischen Lieferanten von Öl und Gas. Die Abhängigkeit wurde demonstriert, als eigentlich der Ukraine der Ölhahn zugedreht werden sollte, aber auch an den zentraleuropäischen Endpunkten weniger Öl ankam. Russland ist sich dieser Macht durchaus bewusst. Die Moskauer Unmutsäußerung hinsichtlich gescheiterter Übernahmen europäischer durch russischer Unternehmen war vernehmbar und auch die unterschwellige Drohung deutlich.
Russland spielt jedoch auch auf der internationalen Bühne wieder eine Rolle, bei der Brummen des sibirischen Bären nicht mehr einfach überhört werden darf. So ist es Teil der G4 für den Nahen Osten, Teil der Shanghai-Organisation im Einklang mit China und baut seinen Einfluss in Zentralasien wieder erheblich aus. Aber auch an den Grenzen zur EU - Moldawien, Ukraine und Belarus - wirkt es destabilisierend.
Der Einfluss wirkt sich zwischenzeitlich auch innereuropäisch aus. So fühlt sich Polen durch die deutsche Ratspräsidentschaft nicht repräsentiert und insgesamt übergangen. Die Umgehung des östlichen Vorpostens der EU durch die Ölpipeline in der Ostsee hatte bereits zu einer Verstimmung zwischen Berlin und Warschau beigetragen. Polen verhindert zwischenzeitlich jedoch auch die Verhandlungen über einen neuen Vertrag EU-Russland, nachdem die russischen Behörden die Einfuhr polnischen Fleisches untersagten.
Die Big Three können durch eine konzertierte Aktion zahlreiche Konflikte auflösen. Während nämlich Berlin sehr gute Kontakte nach Moskau pflegt, sind die Bande zwischen London und Paris zu Warschau historisch bedingt positiv. Gleichzeitig kann verhindert werden, dass Russland weiterhin innerhalb der EU Konfliktstoff sät und so die EU auseinanderdividiert.

Naher und Mittlerer Osten: Europa ist Teil des Nahost-Quartetts und die Big Three haben in der ein oder anderen Form sehr gute Beziehungen zu den dortigen Staaten. Sie sind damit in der Lage, sich auch ausserhalb der europäischen Strukturen zu engagieren. Gleichzeitig wird es jedoch darum gehen, Europas Gewicht in politischer, wirtschaftlicher und humanitärer Sicht einzubringen und im Rahmen der Entwicklung zu einem global player der EU und nicht der Mitgliedsstaaten bedarf der Entwicklung einer EU-Regionalstrategie.
Vor dem Hintergrund ihres Eigengewichts in der Region sind es damit maßgeblich die Big Three, die diese Regionalstrategie in Inhalt und Form prägen werden. Dabei müssen sie sich jedoch zunächst auch über die derzeit noch divergierenden Ziele einig werden. So steht London im Iraq, Berlin und Paris unterstützen lediglich einzelne Projekte. Die Findung einer gemeinsamen Haltung in dieser Frage ist daher die Grundvoraussetzung für die weitere EU-Regionalpolitik.

Asien: Auch wenn die Dynamik etwas nachgelassen hat, sind die asiatischen Staaten immer noch eine der stärksten Wachstumsregionen weltweit. Hier haben die EU-Staaten aber auch die kohärenteste Politik gefahren, jedoch ohne ihre Eigeninteressen auch deutlich zu formulieren. Der Aufstieg Chinas und Indiens zu globalen Akteuren wurde bislang jedoch noch nicht wirklich umgesetzt und beide Staaten werden immer noch vor allem als Entwicklungs- und Schwellenländer wahrgenommen. Die Big Three besitzen ihr die Verantwortung und auch das ökonomische Interesse, dies zu ändern.

Mit dem Abgang von Tony Blair, der für sein eigenes Land eine Reformperformance entwickelt und umgesetzt hat, ist der Weg frei für ein geeinteres Europa. The Big Three werden auch in Zukunft keine Dominante in Europa sein. Jedoch können sie aufgrund ihrer eigenen unterschiedlichen Zielvorstellungen und ihre Vorabstimmung zum neuen Motor der europäischen Entwicklung werden. Das Angehen der beschriebenen Themen und noch einiger darüber hinausgehender Punkte ist in der unmittelbaren Zukunft ein zentrales Eigenanliegen der europäischen Staaten insgesamt.
The Big Three müssen sich hier zwar koordinieren, gleichzeitig jedoch den Eindruck aus der Jahrtausendwende vermeiden die EU domestizieren zu wollen. Die Kunst der Wahrnehmung der Eigeninteressen und der Ausbalancierung mit den kleinen EU-Mitgliedsstaaten wird alle Geschicke erfordern. Die neue Zusammensetzung des europäischen Triumvirats hat jedoch die Vertrauensgrundlage zwischen den Regierungen geschaffen, dies auch anzuhehen.

Tuesday, June 05, 2007

Diktatoren vor Gericht: Charles Taylor


Als Liberia noch unter der Herrschaft Charles Taylors stand, konnte man gewiss sein, dass nicht nur Korruption das Land beherrschte, sondern auch ein Ausmass an bisher unvorstellbarer Gewalt. Die Gesellschaft war verroht und die Zukunft durch die Rekrutierung von Kindersoldaten einigermaßen verbaut. Zwischenzeitlich sieht das Land einer besseren Zukunft entgegen, auch und vor allem Dank Mama Ellen.

Taylor ist nun einer der ersten Staatschefs, die wegen ihrer Untaten vor ein Gericht gestellt werden. Wenn er auch derzeit noch nicht wegen den Kriegsverbrechen in Liberia, sondern wegen jener unsäglichen Einmischung in das Nachbarland Sierra Leone angeklagt wurde, ist es dennoch ein Anfang. Dabei wurden frühere Absprachen über ein Exil Taylors in Nigeria aufgekündigt. Ein wirklicher Frieden war bei den Opfern so nicht zu finden, die heute mit abgehackten Armen oder eben dem Trauma eines Mörders aus Kindheitstagen leben müssen.
Der Rechtsstaat in den sich entwickelnden Demokratie der westafrikanischen Staaten hat dennoch versagt: es ist auch mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft nicht möglich gewesen, die Verfahren in Freetown oder Monrovia zu führen. Vielmehr musste man nach Den Haag ausweichen, um die Stabilität der Länder nicht zu gefährden. Taylors Name sorgt in der Region immer noch für eine Polarisierung der Gesellschaft und so findet der erste Prozess gegen Taylor unter Ausschluss der heimischen Bevölkerung statt. Und es ersetzt auch nicht die Heranziehung der Tausenden Helfer Taylors, Sankohs und der anderen Kriegsverbrecher in Sierra Leone und Liberia und rund um den Erdball. Ob dies in den Ländern selber mittels einer "Wahrheitskommission" oder von ähnlich den Gajaca-Gerichten geschieht, ist dabei erst einmal zweitrangig. Aber die Gesellschaften brauchen auch ihren inneren Frieden - und dafür ist die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft sinnvoll und notwendig.

Taylors Prozess sendet jedoch ein Signal aus, welches schon beim Prozess gegen Saddam Hussein sichtbar wurde: Diktatoren sind nicht mehr imun. So wird bereits seit einiger Zeit um den Prozess gegen den früheren zentralafrikanischen "Kaiser" Bokassa gestritten. Und auch Idi Amin und Mengistu Haile Mariam sitzen noch genügsam im Exil, wenn sie sich auch nicht aus ihren Häusern trauen. Es bleibt also viel zu tun ...


Man muss an dieser Stelle auch mal ein Lob an unsere Weltexpertin aussprechen. In ihrer neuesten Äußerung hat sie sich erstmals in ihrer Karriere ganz ohne Expertenwissen - aber dafür um so gehaltvoller geäußert.


Lesehinweis:
Torsten Matzak: Bürgerkrieg in Liberia . Dimensionen der Gewalt in Zeiten der Theorien der "neuen" Kriege

Monday, May 14, 2007

Grand Prix d' Eurovision de la Chanson


Und es war ein Skandal. Meint die BILD-Zeitung und dies schon zum zweiten Mal innerhalb eines Monats. Liest man den Text, könnte man auf die Idee kommen, die Mauer wieder aufzuziehen - wenn das Alt-Vater Axel Springer wüsste. Eigentlich sollte man froh sein, dass sich die Völker nicht mehr bekriegen, aber den Chef´s der BILD kann man es nun wirklich nicht recht machen.