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Monday, August 25, 2008

Haushaltsausschuss: Denn die Sonne lockt so schön


Einmal raus aus Berlin, weg von den Zahlen. Das dachte sich auch der Haushaltsausschuss des Bundestages. Und da nach Cape Town, New York oder Bangkok jeder reist, wollten sich die Haushälter von denen abheben: Ruanda und Kenya sind geworden. Dort ist es warm und nebenbei kann man der ganzen Reise auch einen humanitären Anklitz verleihen. Denn offiziell beschäftigen sich die Abgeordneten mit der HIV/AIDS-Bekämpfung.

Aber Stopp mal. Das ist doch eigentlich gar nicht das Thema des Haushaltsausschusses. Dafür gibt es doch den Gesundheitsausschuss und den Entwicklungshilfeausschuss? Deshalb musste dann wohl doch eine andere Begründung her und deshalb schaut man mal nach dem Rechten, ob die Mittel auch sachgerecht verwendet wurden. Also man schaut in die Bücher, ob die Belege auch mit der Abrechnung stimmen.
Na dann sind die Reisekosten doch gut angelegt.

Aber auch hier wollen wir natürlich nicht auf die Ökobilanz verzichten: Die drei Abgeordneten der National-Koalition (CDU, PDS, FDP) verflogen haben für die 7.152 km einen Gesamt-CO2-Ausstoss von 10.950 t produziert und werden die 222 € Kompensation sicher einem guten Zweck zukommen lassen.

Sunday, August 24, 2008

Von Schauläufern und Schönrednern


Nachdem im Dialog bereits schon einmal von der Reise des Sportausschusses nach Beijing die Rede war, hatte sich zum Abschluss auch der SPON mit den Staatsreisen beschäftigt. Die deutlichste Antwort zum Sinn und Unsinn solcher Reise geben die Abgeordneten selber als Entschuldigung für ihr verspätetes Erscheinen bei der Pressekonferenz:
"Wir wollten noch das Hockeyspiel zu Ende sehen."
Die Pressemitteilung des Bundestages hatte die Gründe für die Reise etwas anders formuliert:
Es stehen neben dem Besuch der Wettkämpfe eine Vielzahl von Gesprächen mit Athleten, Medienvertretern, mit Vertretern des Organisationskomitees BOCOG, der WADA, Vertretern der Zivilgesellschaft, den deutschen politischen Stiftungen vor Ort sowie mit Parlaments- und Regierungsdelegationen anderer Teilnehmerstaaten auf dem Programm.
Scheinbar bekommt einigen die Luft in 10.000 m Höhe so gut, dass sie ihre Pläne ändern. Oder der Kaviar in der LH-First Class war diesmal etwas ranzelig und die Abgeordneten mussten sich erhohlen. Ob jedoch gerechtfertigt ist, allein für die Flugkosten der Abgeordneten pro Person 5.536 € auszugeben (LH-Standardtarif für die Strecke Berlin-Peking-Berlin), ist doch fraglich.

Monday, August 18, 2008

Norwegen fest im Blick


Nicht viel los im sommerlichen Berlin. So dachten sich auch die Mitglieder des Haushaltsausschusses des Bundestages und während andere sich in Peking die Sommerspiele betrachten waren die Haushälter sparsamer: Auf gehts nach Oslo "um sich zum einen ein Bild über die aktuellen finanzpolitischen Turbulenzen und ihre Auswirkungen auf die wirtschafts- und finanzpolitische Lage Norwegens zu verschaffen und zum anderen, sich über die Arbeit des norwegischen Pensionsfonds zu informieren."

Vier Tage brauchen die drei Abgeordneten für etwas, was sich ganz leicht auch in Deutschland recherchieren ließ. Aber ein Besuch in der Oper oder eine Fahrt durch die Fjorde muss schon auch mal möglich sein.

Die Ökobilanz des Trips ist natürlich auch interessant:
Drei Abgeordnete in der FirstClass von Berlin nach Oslo verursachen bei einer Flugdistanz von 861 km jeweils 0,338 t CO2-Belastung pro Strecke. Macht also insgesamt 2,028 t zusätzliche CO2 für unsere sportbegeisterten Abgeordneten.
Der Bundestag darf dafür neben den Flugkosten 42 € für den Umweltzweck berappen.

Sport ist schön


Unser Abgeordneten dachten sich das wohl auch und praktischer Weise liess sich der diesjährige Sportkalender auch mit einem wenig Flair an Kultur verbinden: Beijing. Und so machten sich die sieben Mitglieder des Sportausschusses des Bundestages auf, nach Peking zu reisen. Die Athleten werden sich freuen, wenn sie bei den Wettkampfvorbereitungen von den Politikern ein wenig belästigt werden. Wenigstens ist so ein Schuldiger gefunden, wenn es mit der Medaille (die ja bislang doch ganz gut umgehängt wurden), nicht geklappt hat.
Aber nicht nur Sportler müssen sich zur Verfügung halten, wenn deutsche Abgeordnete die Reiselust packt: "Wettkämpfe eine Vielzahl von Gesprächen mit Athleten, Medienvertretern, mit Vertretern des Organisationskomitees BOCOG, der WADA, Vertretern der Zivilgesellschaft, den deutschen politischen Stiftungen vor Ort sowie mit Parlaments- und Regierungsdelegationen anderer Teilnehmerstaaten". Da startet quasi in Beijing gleich noch das internationale Parlamentariertreffen. Und schließlich will auch in Deutschland mal wieder eine Olympiade abgehalten werden (2016 in München, wenn auch im Winter) und da schadet es nie mal nach zu sehen, wie das mit dem Baugenehmigungs- und Raumbereinigungsverfahren geklappt hat.
Na und der ein oder andere touristische Ausflug dürfte da sicher auch drin sein.

Die Ökobilanz des Fluges ist natürlich auch interessant:
Sieben Abgeordnete in der FirstClass von Berlin nach Peking verursachen bei einer Flugdistanz von 7.366 km jeweils 1,762 t CO2-Belastung pro Strecke. Macht also insgesamt 24,668 t zusätzliche CO2 für unsere sportbegeisterten Abgeordneten.
Der Bundestag darf dafür neben den Flugkosten 490 € für den Umweltzweck berappen.

Friday, August 01, 2008

Auswärtiges Amt: Wichtige politische Information


Wer seit Herbst 2007 - nachdem Franz Müntfering abgetreten ist und die Stelle des Vizekanzlers mit Pomp und Gloria von Frank-Walter Steinermeier angeteten ist - die Bundespressekonferenz in Berlin regelmässig verfolgt, wird feststellen, dass sich sein Sprecher recht häufig mit wichtigen Meldungen nach dem Regierungssprecher zu Wort melden. "Ich hab da auch noch was", könnte das Motto sein.
Diese Woche nun hat der König von Tonga, Herr über ein Inselparadies im Südpazifik, sich entschlossen, der absoluten Monarchie den Laufpass zu geben und dafür die Demokratie einzuführen. Die Qualitätszeitungen hatten dies auch bereits berichtet. Ansonsten ist das Königreich vor allem dafür bekannt, dass es eigentlich recht arm ist und aufgrund der Klimaerwärmung von der Überschwemmung bedroht.
Jens Plötner, Sprecher des Auswärtigen Amtes und insofern Vizekanzler-Sprecher, nutzte nun die Gelegenheit, der Welt die Haltung der Bundesregierung zu diesem global mitreisenden Thema mitzuteilen:

PLÖTNER: Meine Damen und Herren, ich möchte Ihnen die Stellungnahme der Bundesregierung zu den jüngsten Entwicklungen in Tonga nicht vorenthalten. Wie Sie wissen, hat der dortige König George Tupou V. einen Tag vor der für heute vorgesehenen offiziellen Krönung angekündigt, dass er beabsichtigt, die Tagesgeschäfte zukünftig seinem Premierminister zu überlassen. Sie wissen wahrscheinlich alle, dass es in den letzten Jahren immer wieder zu sozial, aber auch politisch motivierten Unruhen im Königreich Tonga gekommen ist.
Wir hoffen, dass sich die heutige Ankündigung als ein substanzieller Schritt in Richtung "mehr Demokratie für alle Tonganer" erweist und dass auf diesem Weg dann auch der Beweis angetreten wird, dass eine konstitutionelle Monarchie, von der wir alle wissen, dass die Tonganer daran hängen, mit den Grundprinzipien der Demokratie durchaus vereinbar ist. Sie wissen, dass Deutschland dem Königreich Tonga traditionell freundschaftlich verbunden ist. Insofern werden wir diesen Prozess auch weiterhin positiv begleiten und unterstützen.
Nachfragen wurden nicht gestellt.
Wenn also noch einmal jemand ein Sommerloch-Thema benötigt: Tonga und die Südsee ist immer gut.

Friday, July 04, 2008

Sommerzeit = Reisezeit 2008/1


Als am 27. Juni 2008 die Präsidentenglocke im Berliner Reichstag zum Abpfiff der diesjährigen Plenarsession geklungen hat, waren die ersten Reisepläne schon geschmidet.

Den Anfang des Reisereigens macht diesmal der Ausschuss für Familien, Senioren, Frauen und Jugend. Es geht nach Paris, die Stadt der Liebe.
Dabei sind die beiden grosskoalitionären Damen jedoch wenig zu beneiden, waren sie doch am 3. Juli 2008 in den Konferenzsälen des Network of Parliamentary Committees for Equal Opportunities for Women and Men in the European Union gefangen.
Vielleicht hat die Zeit jedoch trotzdem zu einem Kaffee auf dem Champs Elysees gereicht.

Weniger touristisch, aber nicht minder interessant ist das Reiseziel der vier Abgeordneten des Menschenrechtsausschusses, die sich vom 7. bis 13. Juli 2008 mit Borscht und russischen Edellikören verwöhnen: Minski und Moskau. Die beiden Städte, die im Russischen durchaus als kultur- und nationalhistorische Kleinode angesehen werden dürfen, sind nun nicht unbedingt der Ort von Menschenrechte und es ist auch nicht erwarten, dass die vier Reisenden daran altzuviel ändern.
Aber der Besuch von belarussischen Gefängnissen kann eigentlich nie schaden. Vielleicht haben die Abgeordneten Glück und der Minsker Justizminister begleitet sie ein wenig, um den Herren ein wenig die Potemkinschen Dörfer zu zeigen. In Russland stehen gleich gar keine Regierungsvertreter bereit. Aber nachdem der ehemalige russische Präsident Putin zum "lupenreinen Demokraten" geadelt wurde, dürfte es dort auch wenig zu tun geben für den Menschenrechtsausschuss. Nur ein gewisser Michail Chordorkowski sitzt irgendwo in Sibirien nach einem eher fragwürdigen Prozess. Aber sonst alles in Butter.
Aber vorbeischauen kann man ja mal. Schließlich sind Moskauer Theater Weltklasse.

Wir wünschen viel Spass und eine Rückkehr mit vielen Eindrücken.

Wednesday, March 05, 2008

"Bitte warten, deutschlandweit"


Als im vergangenen Jahr der vermeintliche Lokführer-Arbeiterführer Manfred Schell mal eben die Republik mit einem Streik terrorisierte und sich flugs in die Kur verabschiedete, dachten alle: schlimmer kann es nicht kommen. Das dies dann doch noch möglich ist, wurde diese Woche deutlich, denn auch bei verdis's stehen die Zeichen auf Streik und eine erste Kostprobe haben sie auch schon gezeigt: über 300 Flüge musste allein die Deutsche Lufthansa annulieren, weil Gepäckbelader, Feuerwehren und sonstiges Personal an deutschen Flughäfen den Aufstand probt. Man hatte sich die GDL zum Vorbild genommen und die Verkehrswege blockiert.
Aber auch dies könnte nur der Anfang sein von einem Schauspiel, bei dem es in einigen Tagen bereits heisst: nix geht mehr. Diesmal würde nix aber auch wirklich nix heissen. Denn in den verdi-Tarifkonflikt um den öffentlichen Dienst sind nicht nur das Flughafenpersonal eingeschlossen, sondern auch Bus- und Straßenbahnfahrer und auch die Damen und Herren im Cockpit der U-Bahnen.

Zwischenzeitlich hatte auch GDL-Chef Manfred Schell wieder Sehnsucht nach ein wenig Publicity, zu ruhig war es geworden und der anstehende Ausstand seinerselbst in diesem Frühjahr sollte zünftig gefeiert werden. Schell hatte sich daher aufgemacht, den Verhandlungstisch mit der Bahn zu verlassen. Aber was war geschehen, was den Herrn der mit niemand redet ausser mit sich selber, so in Rache brachte. Die Bahn hatte verlangt, was vereinbart war: die drei Bahn-Gewerkschaften sollten sich doch bitte darauf verständigen, wer für wen spricht und verhandelt. Der Lokführertarifvertrag war ausgehandelt, nur sollte Choleriker Schell sich auch mit Transnet und GDBA abstimmen. „Das werden wir nicht akzeptieren.“ Für Schell scheinen die Kollegen Gewerkschaftsführer so etwas wie aussätzige zu sein.
Bahnchef möchte man in diesen Zeiten wirklich nicht sein, denn nun haben auch Transnet-Boss Hansen und GDBA-Führer Hummel angekündigt, dass sie auch an einem Aufstand interessiert sind: „Wir möchten Ihnen hiermit aus Sicht der Transnet und der GDBA mitteilen, dass ... unsererseits keine Bereitschaft mehr besteht, einen Vorrang der GDL für lokführerspezifische Themen zu akzeptieren und damit eine Tarifbindung des GDL-Tarifvertrages für unsere Mitglieder hinzunehmen.“ (Schreiben an Bahnchef Mehdorn vom 5.3.2008)
Am Montag will nun die GDL mal wieder zeigen, wer Herr im Staate Deutschland ist: "Für uns steht das bombenfest, dass wir Montag beginnen.“ Die Räder sollen still stehen, die Wirtschaft mal eben um ein paar Millionen geprellt werden. Und hört die GDL auf, geht es mit Transnet / GDBA munter weiter und dann ist die GDL wieder an der Reihe.
Das Problem dabei: selbst wenn Schell sich zukünftig um seine Enkel als liebender Großvater mit Werthers Echten kümmern würde, wäre die Lage nur minimal anders, denn sein Vize Weselsky ist nicht wirklich eine Alternative.
Anders offenbar die GDL-Mitglieder, die langsam aber sicher den Kanal voll haben und endlich mehr Geld sehen wollen:
Einem Bericht der „Bild“-Zeitung zufolge wächst dort jedoch der Widerstand gegen den Streik. Viele Lokführer seien unzufrieden, weil die sicher geglaubte Gehaltserhöhung von insgesamt elf Prozent wieder auf der Kippe stehe. Unwahrscheinlich sei zudem, dass sich die Zugbegleiter an dem neuen Ausstand beteiligten. Der ausgehandelte Tarifvertrag soll nur für Lokführer und nicht für Begleitpersonal gelten.
(welt.de, 5.3.2008)
Aber selbst wenn die Basis Schell noch zur Vernunft bringt, beginnen in Deutschland lustige Tage. Eine Lösung im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes ist nicht in Sicht und so könnte es bald heissen: Deutschland abgeschnitten. Nicht mehr aus der Luft erreichbar, der Nahverkehr steht still und auch die Bahn hat den Betrieb eingestellt. Tritt jetzt noch die Telekom in den Ausstand, dürfte schnell auch das Ende des Informationszeitalters in Deutschland angebrochen sein. Und das diese Drohung nicht aus der hohlen Hand gegriffen ist, machte verdi-Boss Bsirske deutlich:
"Entweder die öffentlichen Arbeitgeber legen ein Angebot mit deutlicher Lohnerhöhung und ohne Arbeitszeitverlängerung vor, oder wir zeigen denen unsere Kraft"
(ftd.de, 5.3.2008)
Man darf sich freuen, Karneval wird wieder aufgerufen.

Kleine Staugalerie
Flugausfälle in München: Der Arbeitskampf zeigt Wirkung

Leere Schienen, volle Straßen: Wegen des BVG-Streiks bildeten sich in Berlin Staus, das absolute Verkehrschaos blieb jedoch aus.

Warnstreik am Frankfurter Flughafen: Ver.di lässt rund 2000 Mitglieder aufmarschieren.

Stillstand auch in Köln-Bonn: Hier legten die Beschäftigten an den Gepäckförderanlagen die Arbeit nieder.

Streik-Chaos auch in Berlin: Wegen eines unbefristeten Streiks bei den Verkehrsbetrieben BVG bleiben Busse und U-Bahnen in den Depots.

Flughafen Hamburg: Viele Flüge wurden gestrichen, Passagiere mussten lange warten, Geschäftsleute waren erbost.

Wenig Aufwand, großer Erfolg: In Stuttgart haben 120 Streikende gereicht, um den Flughafenbetrieb massiv zu behindern.

Warnstreik am Frankfurter Flughafen: Ver.di lässt rund 2000 Mitglieder aufmarschieren.

Acht Prozent mehr Lohn: Das ist die Forderung der Gewerkschaft. Die Arbeitgeber des Öffentlichen Dienstes bieten nur fünf Prozent - und das bei einer Verlängerung der Wochenarbeitszeit.

In Frankfurt geht nichts mehr: Betroffen sind vor allem Inlandsflüge - auch deshalb, weil an den meisten anderen deutschen Flughäfen ebenfalls gestreikt wird.

Die Passagiere müssen warten: Die Lufthansa hat vorsorglich 142 Flüge gestrichen.

Monday, August 06, 2007

Sommerzeit ist Reisezeit ...

... dachten sich rechtzeitig zu Beginn der Sommerzeit einige Abgeordnete und dachte, was das Volk tut, dass können wir schon lange. Betrachtet man die Homepage der Pressestelle des Deutschen Bundestages, so stellt man schnell fest dass nach dem Motto gebucht wurde: je weiter Weg vom Berliner Alltag, je besser wird der Urlaub äh Sommer. Neuseeland, Australien, Brasilien und Argentinien aber auch Klassiker wie die USA und Canada stehen auf dem Programm (Die vollständige Reisedokumentation -->). Das bürgerkriegsgeplagte Columbien ist da schon eher die Ausnahme, wenn man sich auch fragt, ob zum festival de poesia unbedingt deutsche Abgeordnete auf Staatskosten und in offiziellem Auftrag auftauchen müssen.

Nun ist es durchaus legitim und richtig, dass sich Abgeordnete auch mal mit den Lösungen ausserhalb heimatlicher Gefilde beschäftigten. Allerdings fällt auf, dass die Themen der Reisen recht willkürlich gewählt sind. Der Haushaltsausschuss scheint dabei irgendwie allzuständig zu sein.
Im Mittelpunkt stehen Gespräche über die jeweiligen bilateralen Beziehungen im Bereich Wissenschaft und Forschung. Schwerpunkte dabei sind die Instrumente der Forschungsförderung sowie die Möglichkeiten der Hochschulfinanzierung.
Man muss sich die Augen schon zweimal reiben, wenn man dies wirklich verstehen will. Die Eigenbeschreibung des Ausschusses lässt weniger etwas über die Gestaltung der Hochschulpolitik vermuten:
Insofern ist der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages der "parlamentarischste" aller Ausschüsse: er kontrolliert die Ausgabenpolitik der Bundesregierung und berät federführend den alljährlichen Bundeshaushalt.
Aber auch das Programm des Abstechers auf die Chinesische Mauer macht eher Dein Eindruck einer netten Begleiterscheinung als eines Dienstbesuches:
Bei Gesprächen mit deutschen Nicht-Regierungsorganisationen, die auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe tätig sind, informiert sich die Delegation bei den chinesischen Partnerbehörden über die geförderten Projekte. Darüber hinaus sind Treffen mit dem Haushaltsausschuss des Nationalen Volkskongresses sowie Gespräche auf Ministerebene im chinesischen Handelsministerium und Außenministerium vorgesehen.
Unabhängig davon, dass man den ersten Satz schon einmal nicht versteht - bei deutschen NGO´s über die Arbeit chinesischer Partnerbehörden informieren, und dies in Peking - stellt sich die tatsächliche Frage, was die Jungs und Mädels wirklich wollen. Die Gespräche mit deutschen NGO´s wären in Berlin billiger zu haben.


Auch das Brasilien- und Argentinienprogramm des Finanzausschusses hört sich interessant an:
Sowohl mit Brasilien als auch mit Argentinien stehen Neuverhandlungen der Doppelbesteuerungsabkommen an, deren Ergebnis erhebliche wirtschaftliche Bedeutung für deutsche Unternehmen hat.
Dies ist quasi der offiziöse Teil. Ob man für diese Feststellung aber unbedingt rund 10.000 Kilometer zurücklegen muss, dürfte hier eine mehr als berechtigte Frage sein. Aber die Abgeordneten sind fleissig:
Eine weitere Fragestellung steht in Zusammenhang mit dem zum 1. Januar 2007 in Deutschland in Kraft getretenen Biokraftstoffquotengesetz: Wie wirken sich Nachfrage und Besteuerung alternativer Kraftstoffe auf Produktionsstandorte aus? ... Die Delegation will sich hierzu auch vor Ort bei Bioethanol-Herstellern einen direkten Eindruck verschaffen.
Eigentlich sollte man doch meinen, man informiert sich vorher über die Folgen seines Handelns. Man könnte noch sagen: besser spät als nie. Aber es fällt doch auf, dass durch Betriebsbesichtigung eher weniger an den Tag tritt als durch gezielte Analyse der Situation. Davon steht jedoch weniger etwas auf dem Programm und dies wäre auch durch die Einschaltung entsprechender Fachexpertisen möglich gewesen.


Es fällt auf, dass gerade die Sommermonate genutzt werden, um touristische Ziele mit mehr oder weniger Rahmenprogramm garniert auszuwählen. Dabei will niemand bestreiten, dass Reisen bildet und dass auch für die Arbeit von Abgeordneten die eine oder andere Besichtigung im Ausland arbeitswichtig ist. Zahlreiche sind auch notwendig, will man die zahlreichen internationalen Verbindungen des Bundestages wie im Europarat, in der Nordatlantischen Versammlung oder der Interparlamentarischen Union nachkommen.
Ob es aber im "ausschließlichen Interesse des Deutschen Bundestages", wie es im Bericht des Präsidenten heisst, wirklich liegt, dass sich der Haushaltsausschuss mit Grundsatzfragen der Bildungsfinanzierung beschäftigt, ist eher fraglich. Auch die Reise einer siebenköpfigen Delegation zu einem lateinamerikanischen Kulturfestival - ohne Bezug zu Europa - ist eher dem persönlichen Interesse der Abgeordneten zuzurechnen als im Bundestags- und Wählervolkinteresse.
Das Problem jedoch: es besteht ein parteiübergreifendes Interesse an eben jenen touristisch attraktiven Reisen. Jeder will einmal und betrachtet man den Bericht des Bundestagspräsidenten genauer fällt auf: jeder kann auch mal. Am beliebtesten an den aussereuropäischen Zielen ist dabei die USA, Afrika selbst bei Entwicklungspolitikern eher auf den hinteren Plätzen. Und: je touristischer, je beliebter

Die Reiseziele der Politik - Teil I

... und da die Deutschen als Reiseweltmeister bekannt sind, dachten sich die Mitglieder des Deutschen Bundestages: wo unsere Untertanen sind, da sind wir auch. Die Pressestelle des Bundestages war dann auch so frei und hat uns die Hitliste der Reiseziele mitgeteilt und um die Übersicht zu behalten, bringen wir dies mal auf die Reise und nennen auch die interessanten Themen der Reisen

Die Deutsch- Australisch- Neuseeländische Parlamentariergruppe hält in den Sommerferien standesgemäss in Canberra und Wellington auf. Ein paar nette Gespräche stehen an wie mit denjenigen, die sich auch sonst um die Beziehungen zu Deutschland kümmern und den Parlamentspräsidenten. Tee und Gebäck werden da sicher reichlich serviert.
Und auch das Thema Migration macht der Parlamentariergruppe schwer zu schaffen und da lohnt sich ein Besuch in den klassischen Einwanderungsländern allemal.

Die Reiseziele der Politik - Teil II

... und da die Deutschen als Reiseweltmeister bekannt sind, dachten sich die Mitglieder des Deutschen Bundestages: wo unsere Untertanen sind, da sind wir auch. Die Pressestelle des Bundestages war dann auch so frei und hat uns die Hitliste der Reiseziele mitgeteilt und um die Übersicht zu behalten, bringen wir dies mal auf die Reise und nennen auch die interessanten Themen der Reisen

Den Haushaltsausschuss zieht es gleich zweimal in den Sommerferien in die Ferne. Zunächst machen seine Mitglieder einen "mehrtägigen" Abstecher in die chinesische Hauptstadt Peking zum Thema der deutschen Entwicklungsfinanzierung


um sich dann in Ottawa (Canada) und New York den Themen Wissenschaft und Forschung zu widmen. Vertieft werden sollen die bilateralen Forschungs- und Bildungsbeziehungen und man will mal nachschauen, ob noch alles in Ordnung ist mit der Hochschulfinanzierung im Urland des Kapitalismus mit hervorragenden Forschungseinrichtungen.

Beide Themen dürften auch bei anderen Fachbereichen Aufmerksamkeit finden: dem Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie dem Ausschuss für Bildung und Forschung. Das Vertreter dieser an der Reise teilnehmen oder gar selbst sich vor Ort ein Bild machen ist jedoch bislang nicht bekannt. Aber der Sommer ist noch lang

Die Reiseziele der Politik - Teil III

... und da die Deutschen als Reiseweltmeister bekannt sind, dachten sich die Mitglieder des Deutschen Bundestages: wo unsere Untertanen sind, da sind wir auch. Die Pressestelle des Bundestages war dann auch so frei und hat uns die Hitliste der Reiseziele mitgeteilt und um die Übersicht zu behalten, bringen wir dies mal auf die Reise und nennen auch die interessanten Themen der Reisen

Den Auswärtigen Ausschuss zieht es nach Indien, um genauer zu sein Neu Dehli und Mumbai. So wirkliche Themen nennt der Ausschuss für seinen Kurztripp nicht, aber einige Gesprächspartner: den Sonderbeauftragten für die indisch-amerikanische (!) Nuklearproduktion, den Besuch der Deutschen Schule - sicherlich mit einem hervorragenden Bildtermin - und eine Diskussion im Goethe-Institut zur auswärtigen Kulturpolitik.
In Mumbai wird es dann etwas happiger, denn da steht ein Gespräch mit der Slum Development Company an. Diese ist nun dafür zuständig, die Slums des früheren Bombay zu entwickeln und manche sagen auch, dass sie den Bewohnern durch die Baupläne die Existenz rauben.

Die Reiseziele der Politik - Teil IV

... und da die Deutschen als Reiseweltmeister bekannt sind, dachten sich die Mitglieder des Deutschen Bundestages: wo unsere Untertanen sind, da sind wir auch. Die Pressestelle des Bundestages war dann auch so frei und hat uns die Hitliste der Reiseziele mitgeteilt und um die Übersicht zu behalten, bringen wir dies mal auf die Reise und nennen auch die interessanten Themen der Reisen:

Der Finanzausschuss hat sich diesmal vorgenommen, Umweltprobleme in Brasilien und Argentinien genauer zu inspizieren. Wohlweisslich wurden die Städte der Reise nicht weiter genannt und so ist unbekannt, ob auch die Umweltprobleme der Copa Gabana und der Gouchos Beachtung finden werden.



Und auch den Ausschuss für Arbeit und Soziales zieht es in südamerikanische Gefilde. Neben Brasilien und Argentinien steht hier auch Urugay auf dem Plan. Das Thema ist allgemein gehalten: Gespräche mit Kirchen, Gewerkschaften und Sozialversicherungsträgern. Und da die Vertreter deutscher politischer Stiftungen nicht in der Nähe von Berlin Büros unterhalten, müssen diese ebenfalls heimgesucht werden.

Sommerzeit ist Reisezeit - Teil V

... und da die Deutschen als Reiseweltmeister bekannt sind, dachten sich die Mitglieder des Deutschen Bundestages: wo unsere Untertanen sind, da sind wir auch. Die Pressestelle des Bundestages war dann auch so frei und hat uns die Hitliste der Reiseziele mitgeteilt und um die Übersicht zu behalten, bringen wir dies mal auf die Reise und nennen auch die interessanten Themen der Reisen

Ein ganz besonderes Schmankerl hat sich der Kulturausschuss vorgenommen. Ihn zieht es zum Festival de Poesia nach Columbien.
Das hier auch ein Bezug zu Deutschland besteht, wurde nicht mitgeteilt. Aber so ein Festival hat etwas und da wollte jeder doch mal hin.