Monday, October 29, 2007

In der Pampa zum Ruhm des Landes


Wahlen in Argentinien haben immer eine ganz besondere Ausstrahlung für den Rest der Welt. Ebenso ihre Präsidenten. Juan Peron war so einer, dessen Ehefrau Evita Peron bis heute den Status einer nationalen Ikone besitzt. führte das Land zurück in die Demokratie und Raul AlfonsinCarlos Menem war ein charismatischer wie machtversessen-korrupter Präsident. Als um die Jahreswende 2001/2002 vier Präsidenten innerhalb von 14 Tagen aufeinander folgten, war dies ein ebenso beeindruckendes wie bedrückendes Spektakel für die stolze Nation, die wohl die europäischste in Südamerika ist.

Als 2003 schließlich Ernesto Kirchner in den Präsidentenpalast von Buenos Aires einzog, war einerseits die die Macht der Peronistischen Partei erst einmal wieder gesichert, andererseits zog wieder Glanz und Gloria in Argentiniens Hauptstadt ein. Die Abhängigkeit vom Dollar wurde gelöst, die Hyperinflation gestoppt und die Parallelwährung löste sich auf. Ernesto und Cristina de Kirchner verkörperten so etwas wie die Clintons Südamerikas, war doch auch Cristina eine ebenso politische Frau wie Hillary.
Und nun macht sie es ihrerem U.S.-amerikanischen Pendant vor, was diese im November des nächsten Jahres erst noch erreichen will: aus der First Lady wird die Präsidentin und aus dem Präsidenten der First Husband. Die Casa Rosada wird zum Erbhof der Familie Kirchner.

Der „Kirchnerismus“ erwies sich bislang als ein geschlossenes System der Machtmehrung und -erhaltung für einen Clan, dessen Mitglieder durchweg aus der patagonischen Provinz Santa Cruz kommen. Weder hat er eine eigene Ideologie noch ein festes Programm, er nimmt sich zwischen Links und Halbrechts, was ihm gut dünkt. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass sich in der „Front für den Sieg“, wie sich Cristina Kirchners Gruppierung nennt, neben Peronisten auch in großer Zahl Mitglieder der eigentlich oppositionellen traditionsreichen Partei „Radikale Bürgerunion“ (UCR) finden. Einer dieser Abtrünnigen ist ausgerechnet Cristina Kirchners Kandidat für den Stellvertreterposten: Julio Cobos, Gouverneur der Provinz Mendoza.Néstor Kirchner hat das Land wie ein strenger, launenhafter, oft cholerischer Gutsherr geführt, der alles, auch kleinste Dinge selbst entscheidet und sich partout nicht in die Karten schauen lässt. Zu bemerken war bestenfalls ein obsessives Bestreben, seinen Untertanen nach der großen Krise das Gefühl zu vermitteln, „wir sind wieder wer“, und dem Präsidentenamt wieder zu Autorität zu verhelfen.Die Bilanz im Kirchnerschen Gutshof sieht, oberflächlich betrachtet, nicht schlecht aus. Die Wirtschaft erzielte vor allem dank üppiger Exporterlöse ein Wachstum von durchschnittlich acht Prozent jährlich, die Arbeitslosenquote sank fast auf einen einstelligen Wert, der Konsum nahm zu, und die Gehälter wuchsen in bescheidenem Maß.
Die Bilanz im Kirchnerschen Gutshof sieht, oberflächlich betrachtet, nicht schlecht aus. Die Wirtschaft erzielte vor allem dank üppiger Exporterlöse ein Wachstum von durchschnittlich acht Prozent jährlich, die Arbeitslosenquote sank fast auf einen einstelligen Wert, der Konsum nahm zu, und die Gehälter wuchsen in bescheidenem Maß.

Der Kabinettschef als Hofhund
In den vier Jahren hat Kirchner dafür gesorgt, dass niemand und nichts sein Regiment gefährdet. Zu Korruptionsskandalen in seiner direkten Umgebung hat er beharrlich geschwiegen. Wenn unangenehme Zahlen in der Öffentlichkeit zu kursieren begannen, hat er alles unternommen, um sie zurechtzubiegen. So ließ er, als immer bedrohlichere Inflationsraten publik wurden, kurzerhand Führungspersonen in der Statistikbehörde austauschen und neue Berechnungsmethoden einführen, die prompt ein günstigeres Bild ergaben. Allerdings trat Kirchner bei solchen Manipulationen nie selbst in Erscheinung, sondern schickte wie einen Hofhund seinen Kabinettschef Alberto Fernández vor, der politische Gegner zuverlässig verbellt und ihnen die Schuld an misslichen Situationen jeder Art anlastet.
Bei der Entscheidung, die Leitung für die nächsten vier Jahre der Chefin zu überlassen, geht es vor allem darum, das Gut als Erbhof auszubauen. Mit Cristina Kirchner wird auf jeden Fall ein neuer Stil in die Casa Rosada, das Regierungsgebäude in Buenos Aires, einziehen. Ihr Gatte legte unkonventionelles bis flegelhaftes Verhalten an den Tag: So weigerte er sich, Akkredierungen von Diplomaten entgegenzunehmen, weil er das als reine Zeitverschwendung betrachtete, und notorisch ist seine Art, in letzter Minute seine Teilnahme an Staatsempfängen abzusagen, zu denen er selbst geladen hat.
Cristina Kirchner dagegen liebt den stilvollen Auftritt, Glanz und Glamour. Deshalb wirkt sie aber auch unnahbar und hochfahrend. Das war im Wahlkampf ihr größtes Handicap. Ihre Berater haben ihr deshalb eingeredet, sie müsse sich volkstümlicher und lockerer geben. Sie hat dann mit einfachen Leuten Karten gespielt und bei öffentlichen Auftritten zu rhythmisch-mitreißender Musik tänzelnde Bewegungen vollführt. Das allerdings wirkte erst recht verkrampft.

Angriff auf Gegner des „System K“
Während ihr Mann mit einem Sprachfehler kämpft, redet Cristina glatt und geschmeidig, wenn auch nicht unbedingt brillant. Als langjährige Abgeordnete und Senatorin hatte sie reichlich Gelegenheit, ihre Rhetorik zu trainieren. Ihr fehlt zwar Erfahrung in der Exekutive, aber als wichtigste Beraterin ihres Gatten hat sie schon in dessen Jahren als Gouverneur der patagonischen Provinz Santa Cruz mitbekommen, wie man Macht schafft und ausübt. Sie wird, weil es bestens eingespielt ist, wohl auch das Küchenkabinett übernehmen, das Kirchner aus Vertrauten und Günstlingen aufgebaut hat und in dem er weiterhin anzutreffen sein dürfte.
Angesichts zahlreicher ungelöster Probleme und Konflikte wird Cristina Kirchner den konfrontativen Stil ihres Mannes aufgeben müssen, der besonders gern Privatfirmen attackierte und überhaupt jeden angriff, der sich mit dem „System K“ nicht zu arrangieren bereit war. Die Präsidentengattin hat tatsächlich Zeichen ausgesandt, dass sie die unterschiedlichsten politischen und gesellschaftlichen Sektoren ansprechen und in ihre Regierungsarbeit einbeziehen möchte. Immer wieder zitierte sie während ihrer Kampagne Begriffe wie den der „Concertación“ oder redete einem Sozialpakt das Wort. Auffallend häufig ließ sie sich im In- und Ausland mit einflussreichen Unternehmern sehen und sich von ihnen Investitionen für Argentinien versprechen.

Der Stil ändert sich, alles andere bleibt
Cristina Kirchner hat es im Wahlkampf peinlich vermieden, die Folgen von Fehlern und Fehlentscheidungen in der Amtsführung ihres Mannes anzusprechen. Dazu zählen die Bekämpfung der wachsenden Inflation mit dem untauglichen Mittel der Preiskontrolle, die Aushöhlung staatlicher Institutionen wie des zum Gehilfen der Regierung degradierten Parlaments oder der Statistikbehörde, schließlich auch die geringe Transparenz bei Regierungsentscheidungen.
Viele Argentinier sehen die mangelnde Bereitschaft Kirchners, die Gewaltkriminalität entschieden zu bekämpfen, als das größte Versäumnis seiner Amtszeit an. Der brutale Mord an drei Polizisten aus möglicherweise politischen Motiven, der wenige Tage vor der Wahl die Provinz Buenos Aires erschütterte, war ein drastischer Fingerzeig.
„Wandel in der Kontinuität“ verspricht Cristina Kirchner im Wahlkampf. Es wird im neuen „Kirchnerismus“ zwar stilistisch etwas anders zugehen. Aber eigentlich soll alles beim Alten bleiben.

Thursday, October 25, 2007

Lufthansas Erfolgsgeheimnis


Während ins Singapore der König der Lüfte zu seinem Jungfernflug mit Passagieren abhebt, hat der wichtigste europäische Partner von Singapore Airlines, Lufthansa, in Frankfurt ein Rekordergebnis verkündet.

Eigentlich hätten zwei Probleme das Geschäft belasten müssen: der hohe Ölpreis und die politischen Turbulenzen an den Finanzmärkten. Trotz dieser Schwierigkeiten konnte der deutsche Luftfahrtkonzern ein Rekordergebnis für die ersten neun Monate von 1,3 Milliarden € vorlegen und so erneut unter Beweis stellen, dass die Lufthansa zum Premium-Segment der hiesigen Industrie und der internationalen Luftfahrt gehört.
Dabei hat dem Konzern auch geholfen, sich auf seine Kernkompetenz Luftverkehr zu konzentrieren und den Diversifizierungskurs anderer deutscher Unternehmen nicht zu gehen. Selbst der IT-Ableger hat sein Tätigkeitsgebiet in der Bereitstellung luftfahrtspezifischer IT-Lösungen. Lufthansa bedient damit aus eigener Stärke heraus alle wesentlichen Bereiche der Wertschöpfungskette einer Premium-Airline: Lufthansa Technik ist Marktführer bei der Wartung von Fluggerät und dem Umbau von Privatjets. LSG Skychefs ist noch vor allen anderen Anbietern der weltgrösste Airline-Caterer und bedient nicht nur die Unternehmen im Verbund der Star Alliance. Lufthansa Systems bastelt zwischenzeitlich an gemeinsamen IT-Lösungen für alle Star Alliance-Mitglieder. Und Lufthansa SystemsLufthansa Cargo ist eine der größten Frachtairlines.

Erstmals war auch die schweizerische Tochtergesellschaft Swiss voll in den Abschluss konsolidiert und brachte nach Jahren der unternehmerischen Flaute einen eigenen Gewinnbeitrag ein. Die in der Schweiz anfänglich mit Skepsis beobachtete Übernahme trägt damit langfristig zur Sicherung des Namens SWISS bei und trägt das Schweizer Kreuz weiterhin in die Welt.

Wesentlich ist für den Konzern die Investition in die Zukunft. Seit Jahren schon hat Lufthansa eine der jüngsten Flotten weltweit. Aktuell stehen im Konzern 170 Flugzeugbestellungen an, darunter auch solche, die das globale Netz weiter ausbauen werden. Neben diesen Hard Facts des Investitionsmarktes trägt aber auch die Marketingstrategie mit der gezielten Ansprache von Premiumkunden durch den HON Circle oder die PrivatJet zum langfristigen Erfolg bei.
Der weitere Ausbau des Geschäftserfolges ist damit gesichert. Durch die zunehmende Integration der StarAlliance und ihre Erweiterung bietet Lufthansa zudem ein weltweit anerkanntes Produkt an und baut seine Führungsstellung weiter aus.

Lufthansa-Quartalsbericht für das 3. Quartal 2007

König der Lüfte

37 Jahre, 9 Monate und 4 Tage nach dem Jungfernflug des B 747-Jumbo gab es eine neue Premiere: Um 8.00 Uhr Singapore Time hob Flug SQ 380 vom Changi Airport in Richtung Sidney ab und begann die kommerzielle Luftfahrt des neuen Königs der Lüfte.


Auf dem siebenstündigen Flug werden Passagiere sitzen, die ihren Flug in einer Online-Auktion ersteigert haben. Für den Sitz 1A gab ein Brite allein 100.000 $ aus. Verwöhnt werden sie auf diesem ersten Flug von zwei Spitzenköchen aus Singapore und Sydney mit Kavier und Entenbrust.
Singapore Airlines hat sich für den neuen König der Lüfte gestalterisch einiges einfallen lassen. Die First Class ist mit eigenen Zimmerchen für jeden Passagier ausgestattet, quasi das Hotel zum Flug. Aber auch die Business and Economy Class lassen mehr Beinfreiheit als sonst. Man darf gespannt sein, welche Ideen die anderen Airlines haben, die nach und nach ihre A 380 ausgeliefert bekommen. Auch Emirates, der nächste Kandidat für die Auslieferung, wird sich sicher nicht scheuen, edel und schick zu sein.

Tuesday, October 16, 2007

Great Game on Caspian Sea ... and on the Great Region


Wenn um die Zukunft des Kaspischen Meeres gestritten wird, wird Weltpolitik betrieben. Öl und Gas als die Schmiermittel der globalen Wirtschaft sind reichlich vorhanden, nur fällt die Verteilung zwischen den Anrainerstaaten immer schwieriger. Zu Sowjetzeiten war die Sache einfach: Moskau und Teheran konnten sich recht problemlos einigen, da auch die Regionalaufteilung durch die klare Abgrenzung der Küstenlinien leichfiel. Die Entstehen von vier Nachfolgestaaten ist die Sache etwas schwieriger geworden, da alle mindestens das gleiche Stück vom Kuchen haben wollen und zusätzlich noch zahlreichen Begehrlichkeiten westlicher Staaten ausgesetzt sind.

Die Interessenlage ist einigermaßen verzwickt, spätestens seit Russland seinen eigenen Reichtum an den begehrten Energieträgern als Waffe einsetzt und in Teheran ein Präsident an die Macht gekommen ist, der sein innenpolitisches Unvermögen durch außenpolitisch fragwürdige Aufwartungen kaschieren will. Die USA haben deshalb schon vor einigen mit der Erdölleitung Baku-Ceyhan einen Weg gefunden, Russland zum umgehen und ihr freundlich gesonnene Staaten für die Durchleitung des kaspischen Öls zu gewinnen. China sucht einen ähnlichen Weg über das Tienschan in Kirgistan. Kasachstan, Turkmenistan und die westlichen Staaten suchen zudem einen Weg, wie die Öl- und Gasvorkommen östlichen des Kaspischen Meeres unter Umgehung russischen (und chinesischen) Bodens verschafft werden kann. Mal war die Rede davon, die Leitung über Afghanistan und Pakistan zu leiten; die konfliktreiche Situation hat dieses Projekt bislang verhindert und deshalb sucht Almaty und Aschgabad nunmehr den Anschluss an die Baku-Ceyhan-Line.
Wem aber gehört das Öl auf dem Boden des Kaspischen Meeres? Ist es ein Meer oder ein See? Letzteres ist eher eine theoretische Frage, da dem Binnengewässer ohne Zugang zu den Weltmeeren es mit Sicherheit erspart bleiben wird, dass aller Herren Länder Schiffe (und vielleicht sogar Kriegsmarinen) dort gondeln werden. Während aber Russland, Kasachstan und Aserbaidschan eine Aufteilung nach dem Verhältnis der Küstenlinien bevorzugen, wollen Iran und Turkmenistan mit vergleichweise kurzen Küstenlinien eher eine Gleichverteilung der Schätze. Die Lösung wird eher in ersterem Vorschlag liegen, da sich die drei Staaten nicht ohne Not einen Grossteil ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und auch ihrer Machtposition nehmen lassen werden.

Für die westliche Welt wie für China ist die Region von besonderer Brisanz, auch ohne den Spieler Teheran. Geht es doch darum, die Energielieferanten zu diversivizieren und die Abhängig von den Golfmonarschien abzubauen. Die Strategie war richtig, nur ist bislang kein Weg gefunden worden, das Öl krisensicher nach Europa und die USA zu liefern. Auch die Baku-Ceyhan-Line ist mit ihrem Weg durch den Kaukasus mit seinem Unruhestaat Georgien und den nördlich angrenzenden Unruhe-Provinzen in Russland nicht ein wirklich sicherer Hafen.
Zusätzlich erschwert wird die Situation durch den Streitpunkt Iran. Putin hat hier deutlich gemacht, dass er die Zusammenarbeit mit dem Iran zur friedlichen Nutzung der Kernenergie ausbauen will. Der Vorwurf der westlichen Staaten, Iran entwickele Atomwaffen, stößt somit einerseits in das nationale Selbstwertgefühl des Iran und andererseits auch die Beziehungen des Westens zu Russland. Ersteres wird durch Aschmedineschad bewusst angeheizt und eigentlich steht die friedliche Nutzung auch nicht in Frage. Der Teheraner Präsident verweigert lediglich die Kontrolle durch die IAEA und heizt damit den Streit noch zusätzlich an. Die Gründe sind dabei ebenso einfach wie gefährlich: seit seiner Wahl konnte Aschmedineschad sein innen- und wirtschaftspolitisches Programm nicht umsetzen und sucht durch den Streit mit dem Westen und die verbalen Angriffe auf Israel davon abzulenken. Obwohl der Iran einen Angriff auf Israel nicht unternehmen wird (vom Systemkollaps einmal abgesehen), fühlt sich Israel vom Iran bedroht und könnte durchaus sich dazu genötigt fühlen, einen Militärschlag ähnlich wie den auf den irakischen Atomreaktor durchzuführen - mit unabsehbaren Folgen für den nahöstlichen Friedensprozess. Aschmedineschad spielt also mit dem Feuer.
Russland bricht in dieser Situation in eine Lücke vor, die westliche Staaten und Unternehmen hinterlassen. Es ist derzeit nicht opportun, mit dem Regime Geschäfte zu machen. Wie lange die Unternehmen hier noch tatenlos zusehen, dass ihnen lukrative Aufträge entgleiten, steht in den Sternen und Russlands Präsident Putin weis sehr genau, um die Brisanz. Er sucht aber, die gewollte Grossmachtposition Moskaus zurückzugewinnen und nutzt so die Gelegenheit, die sich ihm nun bietet, auch um das westlich orientierte Aserbaidschan ein wenig einzukreisen.

Die Lösung der Zugangsrechte zum Kaspischen Meer ist daher nur ein Puzzlestein eines Multiproblemmanagements in der Region, die vom Mittelmehr bis nach Pakistan reicht. Russland bleibt hier ein Spieler, global wie regional. Während die Zentralasiatischen Staaten auch nur als Energielieferanten interessant sind, spielt der Iran eine grundlegende Lösungsrolle des Nahöstlichen Gesamtkonflikts und der Westen hat auch deshalb hier ein elementares Interesse an einer Lösung des Konfliktes mit dem Iran. Hier müssen aber beide Seiten sich bewegen und das Entwicklungsbedürfnis des Irans anerkannt werden.

Friday, October 12, 2007

Türkei und der armenische Genozid


Wenn ein Land seinen Botschafter demonstrativ zu Konsultationen zurückruft, ist immer ein wenig Ärger in den Beziehungen zwischen dem Gast- und dem Entsendeland des Botschafters. Die Zurückrufung des türkischen Emissärs in Washington D.C. war dabei absehbar, seitdem im House der Genozid an den Armeniern im ausgehenden Osmanischen Reich diskutiert wurde. Bereits Frankreich musste mit dem temporären Abzug von Ankaras Vertreter vorlieb nehmen, als es 2006 das Thema kritisch angesprochen hatte.

Dabei wird das Thema bereits seit mehreren Jahren intensiv diskutiert, auch im Bundestag. Warum geht es der Türkei, die die Tatsache der Vertreibung der Armenier und den Tod Hunderttausender nicht leugnet. Der Türkei geht es vor allem um den Charakter der Vertreibung. Danach sei es eine Notmaßnahme zur Erhaltung eines Staatswesens - des Osmanischen Reiches - gewesen, welches durch die Armenier bedroht gewesen sei. Die Vertreibung nach Deir az Zur im heutigen Syrien war nach türkischer Sicht durch Überfälle, Hunger und Seuchen begleitet, die die Armenier hingerafft habe.

Obwohl die Tatsachen der Vertreibung zwischenzeitlich durch zahlreiche wissenschaftlichen Untersuchungen belegt ist, könnte man theoretisch auch die türkische Sichtweise akzeptieren. Aber auch dies würde es notwendig machen, dass sich die Türkei ihrer historischen Verantwortung als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches stellt und ein Wort des Bedauerns findet. Dies ist die eigentliche Forderung, die die Staaten dieser Welt an die Türkei haben und weniger die Entschädigung für das hunderttausendfache Unrecht.

Es würde der Türkei gleich aus mehreren Gründen gut stehen, sich mit den damaligen Vorkommnissen kritisch auseinander zu setzen.
Mit dem Anspruch als regionale Führungsmacht ist sie gezwungen, auch mit dem nordöstlichen Nachbarn Armenien ein auskömmliches Nebeneinander zu erreichen. Bisher hat die Türkei sich an dem Versuch erfolgreich beteiligt, Armenien zu isolieren und damit direkt Aserbaidschan und Georgien in die Hände gespielt. Riskiert hat sie jedoch - erfolgreich - wesentlich mehr: die Regierung in Jerewan hat sich nicht nach Westen, sondern gen Moskau orientiert. In direkter NATO-Nachbarschaft hat sich so ein russisches Regime herangezüchtet, welches dem Westen zunehmend aggresiver und im inneren autokratischer gegenübersteht. Als regionale Führungsmacht mit dem Anspruch des Ausgleichs zwischen den verfeindeten Kaukasus-Republiken hätte die Türkei hier einen Ausgleich erreichen können und Jerewan´s Interesse an einer Westorientierung so stärken können.
Die Türkei würde mit einer Anerkennung des Genozids an den Armeniern auch ihren Anspruch als europäische Nation stärken. Das Europäische Parlament hat - neben anderen Voraussetzungen - die Klärung der türkischen Position zum Genozid als klare Voraussetzung für einen türkischen Beitritt gemacht. Hier steht der Anspruch, dass historische Konflikte durch eine europäische Nation zu klären sind und die Gegenwart die Verantwortung für die Vergangenheit übernimmt.

Verwunderlich an der U.S.-amerikanischen Politik ist, dass die Regierung unter Präsident Bush jun. sich quasi der türkischen Position anschließt und vor einer Stellungnahme weitere Untersuchungen verlangt. Die USA sind eine der wenigen Nationen dieser Welt, die die Macht haben, auf die Türkei einzuwirken. Zwar wurde der Botschafter nach Ankara zurückgerufen. Das dies jedoch nicht von langer Dauer ist und die Beziehungen beider Seiten nicht wirklich beeinflussen wird, liegt im zentralen türkischen Interesse. Das House hat hier Weitsicht bewiesen, die dem Präsidenten in dieser Frage fehlt.

Tuesday, October 09, 2007

Ein Fussballspiel erregt die Politik


Wahrscheinlich wäre das Fussballspiel Israels gegen Deutschland der U21-Nationalmannschaft ziemlich unauffällig abgelaufen, hätte nicht ein Spieler seine Teilnahme abgesagt. Der Spieler Ashkan Dejagah ist wohl eher etwas unbedarft in eine politische Falle getapst, aus der ihm einige jetzt einen Strick drehen wollen und die genau in die etwas aufgeheizte Stimmung des Nahost-Konfliktes zu passen scheint.

Dejagah ist in Teheran geboren, besitzt die iranische und die deutsche Staatsbürgerschaft und ist Mitglied der U21-Nationalmannschaft. Für das Spiel gegen Israel hat er sich von der Teilnahme befreien lassen, aus persönlichen Gründen. Womit Dieter Graumann recht hat, ist dass der Eindruck entstehen könnte, mit Juden spiele man nicht - aber auch nur könnte. Betrachtet man die Hintergründe, so liegen die Ursachen für die Absage Dejagah bei einem Feld, welches er nicht beeinflussen kann.
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist erklärtermaßen, um es vorsichtig auszudrücken, ein Gegner des Staates Israel (in dem nicht nur Menschen jüdischen Glaubens leben) und möchte dieses am liebsten von der Landkarte getilgt haben. Nun hat jenes Unikat diese Haltung erst dann angenommen, als er innenpolitische Probleme bekam mit der Umsetzung seines Wahlprogramms. Zu Recht stellen sich Politiker jeglicher Coleur vor Israel und betonen dessen Existenzrecht und die Unterstützung Ahmadinedschad ist selbst in der arabischen Welt nicht sonderlich gross, den spätestens seit dem Friedensplan des saudischen Königs ist der Weg frei zur Normalisierung der Beziehungen zwischen den einstigen Kriegsfeinden. Und dass Mahmud Ahmadinedschads Unterstützung selbst im Iran schwindet, zeigen die Studentenproteste der vergangenen Tage.
Ein Ausfluss der Haltung des sonderlichen iranischen Präsidenten ist jedoch, dass er iranischen Staatsbürgern Wettkämpfe mit israelischen Sportlern schlicht verbietet und ihnen andernfalls Konsequenzen androht. Iranische Sicherheitsbehörden sind nun nicht wirklich bekannt dafür, sonderlich zimperlich vorzugehen und so kann man sich ausdenken, dass dies für die Betroffenen kein sonderliches Vergnügen wird.

Was nun kann Dejagah dafür? Nichts.
Aber er hat noch Familie in Teheran und sein Bruder spielt unter anderem dort auch Fussball. Dejagah's Familie wäre nicht die erste, die dafür bluten muss, kann man dem eigentlichen "Übeltäter" nicht habhaft werden. Deshalb mag es zwar richtig sein, dass Israel wie auch Deutschland alles für den Schutz von Dejagah während seines Aufenthaltes in TelAviv und später auch in Deutschland tun wird. Dies kann dem Natinalspieler jedoch die Angst um seine Familie im Iran nicht nehmen. Wird also jetzt gefordert, der DFB müsse Konsequenzen aus Dejagah's Verhalten ziehen, bleiben zwei Möglichkeiten: man nimmt hin, dass seine Familie anstatt seiner Opfer des Regimes wird oder man bietet der gesamten Familie politisches Asyl an. Letzteres wurde bezeichnender Weise bislang von keinem Politiker propagiert.
Das Dejagah die Haltung des iranischen Präsidenten teilt oder auch nur in die Nähe des Antisemitismus zu rücken ist, ist bislang nicht bekannt. Lediglich die Boulevardzeitung für anerkannt schlechten Journalismus hatte den Spieler in ein solches Licht zu rücken versucht, ohne ihn auch mit entsprechenden Äußerungen zitiert zu haben. Dejagah und der DFB hatten von privaten Gründen gesprochen. Und Nationaltrainer Eilts, Sportdirektor Sammer oder DFB-Präsident Zwanzinger zu unterstellen, sie würden antisemitische Gründe dulden, ist schlicht an den Haaren herbei gezogen. Man kann dem DFB und Dejagah lediglich unterstellen, eine schlechte PR betrieben zu haben.

Man merkt aber, dass man mit Deutschlands Verhältnis zu Israel immer noch hohen politische Wellen verursachen kann. Friedbert Pflüger, ehemals Hoffnungsträger der Berliner Union und jetzt Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus sieht scheinbar neue Möglichkeiten und äußert sich:
„Das ist unmöglich und völlig inakzeptabel. Sonst fängt jeder an, sich auszusuchen, gegen wen er nicht spielen will. Wir dürfen den Sport nicht politisieren.“
Was Pflüger jetzt dabei scheinbar nicht merkt ist, dass er genau zur Politisierung des Sports beiträgt. Und auch die Äußerungen der sonst hochgeschätzten, hier jedoch über das Ziel hinausgeschossenen Präsidentin des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, passen in dieses Schema:
"Wer wie der deutsch-iranische U21-Nationalspieler Ashkan Dejagah ein Länderspiel gegen Israel verweigert, handelt zutiefst unsportlich, denn gerade sportliche Wettkämpfe werden friedlich, respektvoll ausgetragen und überwinden politische Spannungen."
Beiden - und den anderen aufgeregten Rufern - wäre es besser angestanden, die Schuld für Dejagah's Verhalten bei dem eigentlich Schuldigen zu suchen, der auf den Namen "Mahmud Ahmadinedschad" hört. Dejagah ist der falsche Adressat, der sich um die Sicherheit seiner Familie Gedanken gemacht hat. Dass diese Befürchtungen berechtigt sind, zeigen nicht nur die Iran-Berichte von amnesty international und Human Rights Watch, sondern höchstamtlich auch der Menschenrechtsbericht des Auswärtigen Amtes.

Saturday, September 29, 2007

Was aus Stoiber werden könnte ...

... darüber hat sich die Süddeutsche Zeitung Gedanken gemacht und für die Zeit nach dem 30. September 2007 einige Vorschläge erarbeitet. Zu Stoibers letztem Arbeitstag in der Münchner Staatskanzlei hier noch einmal die Vorschläge.

Das wär's doch: König Edmund I. von Bayern. Die Krone müsste zwar noch angepasst werden - aber mit der Alleinherrschaft hat Stoiber Übung. Immerhin regiert die CSU im Freistaat schon seit Jahren mit einer Zweidrittel-Mehrheit. Da ist der Weg zurück zur Monarchie nicht mehr weit. Weniger Spaß hätte Stoiber vermutlich ...

... als Lehrer am G8. Das wäre zwar Basisarbeit par excellence - ganz so, wie es die Latex-Landrätin Pauli gerne hätte. Außerdem könnte er auch als Lehrer Akten wälzen und Noten verteilen. Doch wenn man vor Schülern spricht, ist es doch was anderes als vor einer loyalen CSU-Fraktion. Wer sich hier in jedem Satz verstoibert, hat bei Schülern verloren. Eine verlockende Alternative zum grauen Lehrerdasein wäre ...


... ein Rentnerjob als FC-Bayern-Präsident. Die Rhetorik hat der Noch-Landesvater ja bereits drauf. Keine Rede, kein Gespräch, in dem nicht irgendein Fußballvergleich auftaucht - egal ob er gerade passt oder nicht. Ein wenig an seiner Sprachgewandtheit müsste er allerdings noch feilen, ...

... wenn er Papst werden will. Profane Fußballrhetorik ist da unangebracht. Aber dafür ist das Outfit immer perfekt aufeinander abgestimmt - inklusive Kopfbedeckung. Ob Karin Stoiber dann auch immer noch Zettelchen an die Kleidungsstücke hängt, damit Papst Edmund weiß, was zusammenpasst? Wohl kaum. Aber der Papst-Stuhl ist gerade neu besetzt worden. Bis ein neues Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt wird, ...


...kann er ja schon mal Rhetorik-Unterricht bei seinem Wissenschaftsminister und ehemaligen Dozenten für Rhetorik Thomas Goppel nehmen. Ob da was G'scheits dabei, äh, rauskommt, äh, bleibt äh un- äh ungewiss. Drücken wir ihm die Daumen. Denn wenn Stoiber dann doch lieber ...


... Bundespräsident werden will, ist ein klarer und kurzer Satzbau das A und O. Oder wollen Sie, dass die Neujahrsansprachen künftig doppelt so lange dauern?


Viel komödiantisches Geschick hat Stoiber ja das eine oder andere Mal schon bewiesen - warum soll er sein Talent nicht zum Beruf machen? Aber fremde Röcke hochheben, Herr Ministerpräsident, das geht auch hier nicht. Eine noch größere Bühne wäre ...


... das Fernsehen. TV-Moderator Stoiber, der dritthäufigste Vorschlag unserer User. Vielleicht bei der ARD als Christiansen-Nachfolger? Zwar ist der Job schon an Anne Will vergeben, doch da lässt sich sicher noch was drehen. Aber immer die künstliche Studiobeleuchtung ist nichts für einen Naturburschen wie unseren Edi. Das finden auch sehr viele unserer User, die Stoiber künftig gerne als ...


... Karins Gärtner sehen würden. Der grüne Overall steht ihm und im Blumenhinrichten hat er ja auch schon Übung. Unangefochtener Spitzenreiter der Karriere-Empfehlungen für Stoiber ist aber ...


... ein Job als Transrapid-Schaffner. "Nächster äh Ha- äh Halte- äh Station ist der Hauptbahn- äh Flughafen äh. Weil das ja klar ist."

Wednesday, September 05, 2007

In Memoriam ...

Auch Mutter Therasa starb 1997 im Alter von 87 Jahren. Die kleine Frau mit der großen Energie hatte die Aufmerksamkeit auf die Slums in Indien gelenkt und mit dem Orden der Missionarinnen der Nächstenliebe eine effektive Hilfe organisierte. Bei ihrer Seligsprechung am 19. Oktober 2003 zitierte Papst Johannes Paul II. einen Satz aus dem Evangelium, der wohl wie kaum ein Anderer auf diese grossartige Frau zutrifft
»Wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein«



Verleihung der Freedom Medal

Monday, September 03, 2007

Ich bin dann mal weg ...

Mal wieder unterwegs und diesmal gehts nach
D a m a s k u s

und wenn ich zurück bin, sollte ich eigentlich ganz passable Sprachkenntnisse im Arabischen haben und ganz ganz viele Eindrücke aus diesem uralten historischen Land mitgebracht haben.

Auf dem Rückweg gibs einen kurzen Abstecher nach
I s t a n b u l

Und die zugehörigen Reiseberichte gibt wieder unter Travel to the Sun.

Friday, August 31, 2007

Karl Roves Abgang aus dem Oval Office


Der Abgang eines Präsidentenberaters ist normalerweise kein Thema, welches die Welt sonderlich interessiert. Insofern muss Karl Rove etwas besonderes gewesen sein. Der frühere Vorsitzender der Democrats, Terry McAuliffe, sagte einmal über ihn: "Ein ideologischer Stratege, der oft genug die Wahrheit verdreht hat." Nimmt man die Schärfe aus der gebührenden politischen Auseinandersetzung so scheint doch etwas dran zu sein an dem Satz und würde in Deutschland jeden Generalsekretär auszeichnen.

Für Präsident Bush jun. war er mehr. Er war sein Hirn und sein strategischer Kopf, mehr noch als Außenministerin Condolezza Rice. Rice beschränkte sich darauf, Bush jun. im außenpolitischen Fach fit zu machen und legte nach 2000 die außenpolitische Marschrichtung zwar nicht fest, sorgte jedoch für ihre Stringenz. Rove hingegen machte Bush jun. erst zum Gouverneur von Texas und dann zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Er organisierte den Wahlsieg gegen die populäre Gouverneurin von Texas, Ann Richardson. Dabei mag er das Gerücht, die Gouverneurin sei lesbisch gestreut haben und so im konservativen Cowboystaat ihren Amtsverlust beschleunigt haben. Allein verantwortlich war dieses Gerücht aber wohl eher nicht.
Roves Weg durch die Politik, immerhin seit 1970 für die Abteilung Attacke der Republicans tätig, ist dabei durch zahlreiche Skandale gesäumt. Nicht nur Richardsan dürfte somit das Ausscheiden begrüßen. Auch Valerie Plame und ihr Ehemann dürften genügend Hass auf den Parteistrategen verspüren, um ein BBQ zu veranstalten. Die Democrats sowieso. Man kann wohl in einer solchen Position nur schwer arbeiten, um eine saubere Weste zu haben.

Aber es ließe sich auch die Frage stellen, ob es nicht zur Aufgabe eines Parteistrategen gehört, die Verwaltung auf Linie zu bringen. Immerhin war Rove dafür als stellvertretender Stabschef im Weißen Haus zuständig. Die Entlassung zahlreicher Bundesanwälte ist daher vor allem deshalb fraglich, weil sie eben nicht als solche begründet wurde und auch nicht bestehendem U.S.-Recht vereinbar ist. Und auch die Umgehung des elektronischen Archivierungssystems gehört eher zu den unfeinen Geschichten seiner Arbeit.
Roves Arbeit war jedoch von Erfolg gekrönt und wie kein anderer war er in der Lage, politische Stimmungen aufzunehmen und in die Wahl- und Politikstrategie einzubauen. So initiierte er die Werte-Kampagne im Präsidentschaftswahlkampf 2004 und brachte so die christliche Rechte an die Wahlurnen. Ohne sie wäre heute nicht Bush jun., sonder John Kerry Hausherr an der PennAv - das Trauma der Abwahl eines Präsidenten nach der ersten Amtsperiode wäre zum zweiten Mal in der Familie Bush vorhanden. Man kann daher von Rove halten, was man will: er war ein strategischen Politgenie. Anders als der Abgang von Pressesprecher Tony Snow dürfte der Fortgang von Rove Bush jun. auch persönlich wehtun, wenn er ihn auch als Wahlkampfstratege nicht mehr braucht. Aber für das letzte Jahr im Weißen Haus wäre er sicherlich hilfreich gewesen.


In Memoriam ...


... England´s Rose

Wednesday, August 22, 2007

Bundesländer wieder im Plus

Das Bild gehört wohl vorerst einmal der Vergangenheit an. SPON meldet:
Zur Jahresmitte haben die Länder Kassensturz gemacht - und der ergab bei sieben Ländern einen Überschuss. ... Das Defizit aller Landesbudgets lag zusammen nur noch bei 0,1 Milliarden Euro. Das sind gut 9,7 Milliarden Euro weniger als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Die Steuereinnahmen stiegen von Januar bis Juni um 13,3 Prozent, die Ausgaben um 1,8 Prozent.
Da freut sich der brave Steuerbürger.



PS: Ein wenig Patriotismus muss übrigens an dieser Stelle erlaubt sein. Mein Königreich Sachsen gehört auch zu den Vorreiterns der Schuldenfreiheit.

Tuesday, August 21, 2007

Namensänderung mit Folgen


Kaum hatte der Touristikkonzern TUI seine beiden Fluggesellschaften Hapag und HLX zu TUIfly zusammengelegt, droht auch schon neuer Ärger. Die Fluggesellschaften flogen nämlich nicht nur für den auseigenen Reisesektor, sondern auch für zahlreiche andere Reiseveranstalter.

Nach dem Reiseveranstalter Alltours prüft auch der Rewe-Konzern seine Verträge mit den Fluggesellschaften des Konkurrenten TUI. Der Reisekonzern hatte seine Flieger kürzlich unter dem Namen TUIfly zusammengeführt. Die Konkurrenz befürchtet nun eine Dauerberieselung ihrer Kunden mit TUI-Werbung. Alle Maschinen von Hapagfly und HLX tragen seit Jahresbeginn das Logo TUIfly als Teil des Reisekonzerns. Alle Maschinen von Hapagfly und HLX tragen künftig das Logo TUIfly

Wir sind ebenfalls nicht glücklich über die Umbenennung der Fluggesellschaften in 'TUIfly'", sagte eine Sprecherin der Pauschalreisesparte von Rewe am Montag. "Wir überprüfen derzeit unsere aktuellen Verträge mit TUI. Wir wollen künftig unsere Reisenden möglichst nicht in Maschinen mit dem TUI-Logo fliegen", erläuterte sie.

Zur Rewe-Pauschalsparte gehören die Veranstalter ITS, Tjaereborg und Jahr Reisen mit jährlich gut zwei Millionen Urlaubern. Die Rewe-Gruppe ist drittgrößter Touristikanbieter in Deutschland.
Maschinen von Hapagfly wurden bislang auch von anderen Reiseveranstaltern gebucht, die selbst nicht über Fluggesellschaften verfügen.

"Wir wollen nicht, dass unsere Kunden künftig mit TUI-Werbung berieselt werden", sagte die Rewe-Touristik-Sprecherin. Ebenso hatte sich Alltours-Chef Willi Verhuven in einem Interview geäußert. "Wir kappen unsere Verbindungen mit den TUI-Fluggesellschaften und ändern deshalb gerade unsere Flugpläne", sagte Verhuven der "Welt". Alltours hat für die Sommersaison rund 200.000 Flugplätze bei TUI gebucht. Das Geschäft solle auf andere Flugpartner wie LTU, Condor und Air Berlinverteilt werden.

FTD online, 19. Februar 2007
Der Umsatzeinbruch war also absehbar und so meldete TUI Anfang August auch, einen Gewinneinbruch. Das zweite Quartal war deströs mit einem Gewinneinbruch von 85 Prozent. Nicht alles ist bei der Luftfahrttochter des Konzerns abzuladen, denn auch die Sparten Schiffsverkehr und Reise meldeten eher laue Zahlen. Die Flugflotte hatte jedoch einen solchen Einbruch erlebt, dass mit Beginn des Winterflugplanes sechs Maschinen aus dem Verkehr gezogen werden müssen.
TUIfly ist zwischenzeitlich das einzigstes Luftfahrtunternehmen von nennenswerter Größe, welches nicht in einem Verbund agiert. Dies macht sich auch auf die Zahlen bemerkbar, den Synergieeffekte mit Einkauf und Betrieb sind damit nicht erzielbar. Während Konkurrent Air Berlin einen Konzernverbund schmiedete, musste TUIfly sehen wo es bleibt Die Umlackierung der Flugzeuge trug, wie bereits zu Jahresbeginn von den Reiseveranstaltern angekündigt, ihr übriges dazu bei.

Es bleibt also abzuwarten, wie lange die gelbe Flotte noch am Himmel operieren wird. Eine kluge Entscheidung, den Namen Hapag abzulegen, war es jeden falls nicht.

Monday, August 13, 2007

Saturday, August 11, 2007

Hillary Rodham Clinton


Wer den Namen Hillary Clinton hört verbindet damit eine Ehe, die neben ihrer privaten Komponente eine elementare politische Verbindung zwischen Bill und Hillary Clinton darstellt. Hillary Clinton ist die erste Frau in der Geschichte der USA, die nach ihrer Zeit als First Lady im White House eine eigene politische Karriere startete und Senatorin des Bundesstaates New York wurde. Nun greift sie nach den Sternen der U.S.-Politik und bewirbt sich als Präsidentin der USA.
Gerth und Don Van zeichnen in ihrer Biographie den Weg einer machtbewussten, aber nicht machtversessenen Frau, die wohl nur mit Eleonore Roosevelt vergleichbar politisch im West Wing agierte. Trotz der Anfeindungen konservativer Kreise war sie stets an der Seite ihres Mannes präsent und eine First Lady, die sich nicht nur auf die Repräsentation beschränkte. Man konnte auch nichts anderes von ihr erwarten, war sie doch während der Zeit in Arkansas dort in einer der angsehensten Anwaltskanzleien tätig und hatte diesen Beruf für die Präsidentschaft ihres Mannes aufgegeben. Sie war nicht das Beiwerk von Bill Clinton, sondern sie institutionalisierte das Amt der First Lady.
Bill Clinton war gewillt, ihr eigenen Aufgaben anzuvertrauen. Die Reform des Gesundheitswesens war deshalb 1993/94 ihr Werk und wurde nun während ihrer eigenen Präsidentschaftskandidatur wieder aufgegriffen. Sie mischte sich ein in die politische Debatte und prägte sie. Ihr eigener Weg in die Politik war 2000 nur folgerichtig. Das ihr Mann sie darin unterstützte, hat jedoch nicht bloss etwas damit zu tun, dass er Schuldgefühle ihr gegenüber hatte - immerhin hatte er sie im Oval Office betrogen und angelogen. Die vielfach politische Ehe ist wohl nicht nur eine Zweckgemeinschaft, sondern eine echte Beziehung in der einer den anderen unterstützt. 2000 hatte Bill seine politische Karriere beendet und machte nun das, was Hillary all die Jahre zuvor für ihn getan hatte: den Weg frei auf den Capitol Hill.

Gerth und Don Van zeichnen nicht eine einzige Ruhmesgeschichte der Person Hillary Clinton. Auch wenn man dies annehmen möchte, sprechen sie doch nur von Hillary und Bill. Fehlentscheidungen werden offen angesprochen und auch, dass Hillary Clinton um des Machterhaltes und wohl auch um des Schutzes ihrer Familie Unterlagen nicht vorlegen wollte und Aussagen nicht hätte gemacht. Auch die Persiflage von Hillaryland zeigt eine Frau, die durchaus im eigenen Interesse zu agieren gewillt ist. Hier kommt die machtbewusste Hillary Clinton heraus.
Insgesamt ist ihnen jedoch ein Porträt gelungen, welches ausgewogen ist. Es wird eine moderne Frau porträtiert, die 2008 den Sprung als erste Frau ins Weiße Haus schaffen könnte. In das Oval Office wohlgemerkt, nicht nur in die präsidentiellen Wohnräume.


Jeff Gerth / Natta Don Van Jr.
Hillary Rodham Clinton . Ihr Weg zur Macht
München 2007 (2. Auflage)